Schausiedepfanne, Straßenbahn 302, Mitgliederversammlung VfL Bochum – mein Wochenrückblick in neun – sechs – drei Bildern

Was haben eigentlich eine Schausiedepfanne in Rheine-Bentlage und die Straßenbahnlinie 302 zwischen Bochum-Laer und dem Markt in Bochum-Langendreer gemeinsam?

Ganz einfach, beide wurden am Wochenende eingeweiht und damit (endlich) der Öffentlichkeit übergeben. Und in beiden Fällen war ich nicht nur dabei, sondern habe mindestens mit einem Grußwort mitgewirkt.

In Rheine-Bentlage wurde im dortigen Salinenpark, den man unbedingt kennen lernen muss, die neue Schausiedepfanne der Öffentlichkeit übergeben. Mit einer Siedepfanne wird Solesalz gewonnen. Und die Schausiedepfanne ist eben dazu da, diesen Vorgang zu veranschaulichen. In einer ausgesprochen kurzweiligen, informativen, gleichzeitig das ehrenamtliche Engagement des Fördervereins würdigenden Veranstaltung, trafen sich viel mehr Menschen im Salzsiedehaus als der Vorsitzende, der unermüdliche Jules Vleugels, zu hoffen wagte. Und alle Gäste waren restlos begeistert, dass nun das alte Gradierwerk, das Salzsiedehaus und das Turbinenhaus, um eine Schausiedepfanne, übrigens in einem Gebäude ganz aus Glas, ergänzt wurde.

Hier, in meinem Wochenbericht, kann ich natürlich nicht ausführlich erläutern, wie das Salz in einer Saline gewonnen wird. Und erst recht nicht kann ich darstellen, was das ganz Besondere in der Saline Gottesgabe ist. Deshalb gibt es jetzt einen Link zur Saline, einen Link zum Förderverein und einen Link zur Salzgewinnung allgemein, und vor allem meinen heißen Tipp: bald einmal selbst nach Rheine zu fahren, um sich dort alles zeigen und erläutern zu lassen.

Bereits am Samstag fand die Jungfernfahrt der Straßenbahnlinie 302, unter wirklich großer Beteiligung der Langendreerer Bevölkerung, auf dem fertigen Teilstück zwischen Laer und dem Marktplatz, statt. Damit wurde dann auch ganz offiziell die Strecke von Laer-Mitte bis zum Markt bzw. zum Bahnhof Langendreer freigegeben. Und eine neue Variobahn, leise, umweltschonend, emissionsarm und hochmodern wurde auch noch – ganz stilecht mit einer Flasche Sekt – auf den Namen Langendreer getauft. Taufpatinnen waren meine Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche, der Oberbürgermeister Thomas Eiskirch  und ich. Aber keinen Sorge, die neue Variobahn hat keine Macken bekommen. Die Sektflasche war aus Zucker.

Nachdem die Straßenbahnverlängerung ja nicht nur begrüßt, sondern lange Zeit auch heftig umstritten war, und ihre Bauausführung zudem auch mehrfach beklagt wurde, tat der große positive Zuspruch der vielen interessierten Bürgerinnen und Bürger einfach nur gut. Mit viel Respekt, erkennbarer Begeisterung und viel Charme durfte unsere Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche die Bahn auf diesem gut 2,6 Kilometer großen Teilabschnitt selbst fahren. Das hat sie echt gut gemacht. Nur Fahrgäste konnten leider keine zusteigen, obwohl fast an jeder Haltestelle Bürgerinnen und Bürger standen. Denn dafür hätte Andrea dann doch die besonderen Beförderungserlaubnis, einen entsprechenden Führerschein, benötigt.

Der VfL Bochum gliedert den Profifußball aus. Eine schwierige Entscheidung, aber ein richtig gut gesteuerter Beteiligungsprozess. Dieses Lob will und kann ich der Vereinsführung des VfL Bochum im Hinblick auf die Diskussion über die Ausgliederung des Profifußballs voller Überzeugung aussprechen. Gut gemacht, weil die Entscheidung intensiv vorbereitet, ausführlich kommuniziert und über Monate mit den Mitgliedern angeregt diskutiert wurde. Am Samstag, auf der Mitgliederversammlung, brauchte die Vereinsführung für die Ausgliederung eine Zustimmung von 75 Prozent der anwesenden Mitglieder. Am Ende waren es dann sogar mehr als 80 Prozent.

Zur Mitgliederversammlung des VfL Bochum sind übrigens mehr als 2.800 Mitglieder gekommen. So viele, dass selbst der große Saal in der vorsichtshalber gebuchten Jahrhunderthalle nicht ganz reichte. Erst wurden noch Stühle, und später für den Vorraum auch noch Stehtische gebraucht. Echt beeindruckend. Aber es war ja auch keine Mitgliederversammlung wie immer.

Ach, und die magische Zahl von 10.000 Mitgliedern, hat der VfL jetzt endlich auch geknackt. Damit kann Herbert Grönemeyer, der versprochen hat, wenn diese Grenze fällt, nach Bochum zu einem Heimspiel zu kommen und „Bochum“ live vor dem Spiel zu singen, kommen. Ich werde auf jeden Fall dabei sein! Ehrensache als Bochumerin!

Die gute Stimmung und das umsichtige Vorgehen des Vorstands wurde zwar mit einem positiven Absimmungsergebnis belohnt. Dumm nur, dass einige der rund 500 Gegner der Auslagerung ihrem Ärger über das demokratisch gefundene Ergebnis nicht nur lautstark, sondern auch randalierend Luft machten. Drei Böller wurden gezündet, ein Feueralarm ausgelöst, der fast zu einer Räumung und damit zu einem Abbruch der Mitgliederversammlung geführt hätte, und im Foyer wurde etwas „aufgeräumt“. Also alles in allem – leider – immer wieder vorkommendes unnötiges, dummes, extremes, und plattes Fan-Verhalten, das völlig unangemessen war. Wer so etwas tut, stellt sich selbst ins Abseits.

In einer Demokratie findet man am Ende von – manchmal auch sehr langen und heftigen – Diskussionen dann ein Ergebnis, das vielleicht nicht allen passt, aber zu akzeptieren ist. Demokratie bedeutet eben nicht, dass der Einzelne immer Recht hat, sondern, dass im fairen Wettstreit der Argumente am Ende die abgegebene Stimmenmehrheit entscheidet. Schade, dass am Ende eines großartigen Beteiligungsverfahrens wegen ein paar durchgeknallter radikaler Fans ein etwas schaler Nachgeschmack bleibt.

Demokratie ist mein letztes Stichwort für heute. Erschreckt, was offensichtlich auch mitten in Europa, also in einem demokratischen Land möglich ist, haben mich die heftigen und umstrittenen Reaktionen der Polizei und Teilen der spanischen Politik gegenüber den Demonstranten, die für die Abspaltung Kataloniens auf der Straße demonstriert hatten. Einen kleinen Vorgeschmack hatten wir, die SPD-Ratsfraktion Bochum, bereits letzte Woche Samstagnachmittag in Bilbao bekommen. Eine große Demonstration mit Sternenmarsch fand genau vor unserem Hotel statt. Da blieb uns nichts anders übrig als samt Gepäck mitten durch die Demonstration zu laufen, um zu unser Bus, der uns zum Flughafen bringen sollte, zu gelangen.

Demokratie, zum Zweiten. In der Hauptausschuss-Sitzung am letzten Donnerstag in Düsseldorf stand auf einmal die Frage „Hat ein Parlament eine Holschuld im Hinblick auf informationen durch die Landesregierung. Oder gibt es eher eine Bringschuld der Regierung“ eine Rolle. Auslöser war eine Antwort auf eine Kleine Anfrage, die aber noch gar nicht veröffentlicht und damit auch noch nicht allen Abgeordneten bekannt war. Die Landesregierung hatte aber in einem schriftlichen Bericht genau auf diese Antwort verwiesen, und sich damit offensichtlich eine Doppelung oder Wiederholung der Ausführungen sparen wollen. Kann man machen, wenn das in Frage kommenden Dokument bereits in der Welt ist. Aber, es ist schon eher ungewöhnlich.

Dumm nur, dass sich der Chef der Staatskanzlei im Laufe der Nachfragen dann auch noch zu der Bemerkung verstieg, wenn die Opposition ein solch großes Interesse an der Antwort hätte, hätte sie sich die doch beim Fragesteller oder bei den Parlamentarischen Geschäftsführern – die bekommen die Unterlage nämlich vorab – erkundigen können. Aha, doch Holschuld! Das meint zumindest der Chef der Staatskanzlei. Schauen wir mal, wie das alles weitergeht. Ich bin gespannt.