Die SPD im Museum unter Tage, Reformation im Landtag, Heimatsucher, Bochum-Tage und Istanbul – eine interessante Woche in 1×6 und 2×3 Bildern

Was macht die SPD Bochum im Museum unter Tage? Ganz einfach: im Schnellverfahren haben wir uns, bevor wir eine ganz „normale“ Sitzung durchgeführt haben, in die Konzeption des Museums unter Tage, seine Entstehungsgeschichte, seine Dauerausstellung „Weltsichten“ , und vor allem seine gerade aktuelle Wechselausstellung „Umbrüche – Industrie, Landschaft, Wandel“ erläutern lassen und – im Fall der Ausstellung – auch angeschaut. Für alle Nicht-Bochumer, und erste Recht für alle Bochumer, sollten das Museum unter Tage, aber auch die Sammlungen und Ausstellungen in „Situation Kunst“, sowie der Kubus ein „Besuchs-Muss“ sein. Ich verspreche, es lohnt sich! Also, bei nächster Gelegenheit, Bochum und den Schlosspark Weitmar besuchen.

Der Reformationstag wirft ja seit Jahren seine – nein nicht Schatten – sondern Strahlen voraus. Nächste Woche werden wir, wie es die Parlamente beschlossen haben, sogar einen Feiertag erleben. Die Vorbereitungen auf den Reformationstag haben gerade im letzten Jahr und bis heute eine Reihe von wunderbaren, nachdenkenswerten, provokanten und sinngebenden Veranstaltungen mit sich gebracht. In diesen Reigen kann sich jetzt auch der Landtag Nordrhein-Westfalen einfügen. Nach dem Lutherfilm im letzten Jahr, also Kino im Landtag, dem Theaterstück „Ich fürchte nichts …“ im April, gab es nun die Festveranstaltung bei uns im Plenarsaal.

Wir sind übrigens das einzige Bundesland, bei dem der Festakt im Landtag, also im Haus der Bürgerinnen und Bürger gefeiert wurde. Reformation mitten drin, nicht außen vor. Ich finde ein gutes Zeichen. Die Festrede hat Hans Leyendecker, der Präsident des 37. Evangelischen Kirchentages, der im Jahr 2019 in Dortmund stattfindet, gehalten. Die Festrede, die mir gut gefallen hat, war – da beißt die Maus keinen Faden ab – provokant und nicht Jedermanns Sache. Wer sich dafür interessiert, kann sie sich hier anschauen.

Kennt ihr die Heimatsucher? Nein? Das ist aber echt schade, denn die Heimatsucher sind ein noch recht junger, aber überaus erfolgreicher und unverzichtbarer Verein, der Zweitzeugen-Arbeit leistet. Zweitzeugen sind Menschen, die mit den letzten Zeugen und Überlebenden des Holocaust „arbeiten“. Also deren Lebensgeschichten für die Nachwelt aufarbeiten, erhalten und als Zweitzeugen weitertragen.

Die Heimatsucher tun das auf ganz besondere Weise, indem sie nämlich Kinder und Jugendliche in die Arbeit einbeziehen. Damit leisten sie zugleich Präventionsarbeit. Sie gehen in Schulen ab Klasse 4, erzählen die Überlebensgeschichten, zeigen Bilder und kleine Filme; reden, schweigen, lesen, basteln mit den Schülern, und lassen sie so in die Geschichten eintauchen. Am Ende können die Schüler, wenn sie mögen – und die meisten mögen, Briefe an die Überlebenden schreiben. So sind im laufe der letzten Jahre über 1.300 Briefe entstanden, die zeigen, Kinder sind nie zu jung, um Unrecht und Grausamkeit zu erkennen. Das „nie wieder“ wird bei den Heimatsuchern auf ganz besondere Weise erlebbar gemacht.

Die Preisträger der Josef-Neuberger-Medaille. Die höchste Auszeichnung, die die jüdische Gemeinde Düsseldorf zu vergeben hat.

Am Donnerstag haben die Heimatsucher nun die Josef-Neuberger-Medaille der jüdischen Gemeinde Düsseldorf erhalten, die höchste und wichtigste Auszeichnung der Gemeinde, die es für nichtjüdische Menschen und Organisationen gibt. ich war die Laudatorin für die Heimatsucher, weil wir uns schon richtig lange kennen. Wobei „richtig lange“ bei einem Verein, der 2010 als Studienprojekt entstanden ist und 2014 sich zum eingetragenen Verein weiterentwickelt hat, vielleicht etwas übertrieben ist. Richtig ist aber, dass wir uns seit 2012, seit der Ausstellung der Heimatsucher im Landtag, kennen und überaus schätzen. Mit der Ausstellung im Landtag hat der Weg der Heimatsucher  und die Weiterentwicklung ihrer Arbeit ihren Ausgangspunkt genommen. Und was daraus geworden ist, muss man einfach kennen lernen. Deshalb will ich euch die Homepage der Heimatsucher ganz besonders ans Herz legen.

Und wenn wer meine Laudatio nachlesen möchte, über die die Rheinische Post geschrieben hat, dass die Vizepräsidentin Carina Gödecke das Engagement der Heimatsucher mit Worten würdigte, die so treffend waren, dass die Preisträgerinnen zu Tränen gerührt waren, findet sie hier.

 

Am selben Tag habe ich übrigens in Unna das Ernst-Barlach-Gymnasium besucht, um den Landtag, die Arbeit des Parlaments, und unser wunderbares Landtagsgebäude vorzustellen. Dieser Besuch fand auf Vermittlung meines Kollegen Hartmut Ganzke, selbst ehemaliger Schüler dieses Gymnasiums, und im Rahmen der Schulbesuche des Präsidiums statt. Wie oft bei den Schulbesuchen waren wir sehr schnell in einer munteren Diskussion, einem intensiven Fragen und Antworten  angekommen, bei dem man sich über so in formierte, interessierte und kritische junge Leute nur freuen kann. Der Rechtsruck in Europa und vor allem in Deutschland war – wie könnte es anders sein – auch hier ein Thema. Fotos kann man sich auf der Homepage des Ernst-Barlach-Gymnasiums anschauen.

Am Freitag – und während ich das alles aufschreibe, merke ich, wie voll eine Woche auch ohne Plenum und mit weniger Sitzungen in Düsseldorf sein kann – gab es dann einen unserer Bochum-Tage.

Bochum-Tage, das sind die Tage, an denen wir zu Dritt – also Serdar Yüksel, Karsten Rudolph und ich – in unserer Heimatstadt unterwegs sind. Wir besuchen Vereine, Organisationen, Institutionen, Firmen, Einrichtungen, Schulen, Kitas, … und führen Gespräche, lassen uns informieren, sammeln Anregungen und Meinungen ein, nehmen Arbeitsaufträge mit …

Und am letzten Freitag waren wir im Bermuda3eck, genauer gesagt im Mandragora, der Keimzelle des Bermuda, die in diesen Tagen 40 Jahre alt geworden ist. Mit Dirk Steinbrecher, auch Brösel genannt, haben wir nicht nur nach hinten, in die Geschichte geblickt, sondern uns vor allem die aktuellen Entwicklungen informieren lassen.

Der zweite Termin am Freitag hat uns dann wieder einmal ins Bergmannsheil, das berufsgenossenschaftliche Krankenhaus in Bochum geführt. Da es nach dem verheerenden Brand im letzten Jahr der erste Besuch vor Ort – aber nicht das erste Gespräch dazu – war, standen auch die Folgen des Brandes im Mittelpunkt. Gerade hier haben wir, ohne das jetzt näher beschreiben zu wollen, Arbeitsaufträge mitgenommen.

Der absolute Knüller und ein ganz besonderes Highlight – neben den Heimatsuchern und ihrer Auszeichnung mit der Josef-Neuberger-Medaille – war die Premiere des Stücks „Istanbul“ bei uns in den Kammerspielen. Hammer! Was als Sezen Aksu-Liederabend angekündigt und beworben wird, ist fast unbeschreiblich. Minutenlange Standing-Ovations waren nicht nur gerechtfertigt, sondern ohne wäre es gar nicht gegangen.

Istanbul ist „eine Frage der Perspektive“ und dreht die Geschichte der „Gastarbeiter“ in unserem Land. Nicht wir sind das Wirtschaftswunderland, das in den 60-ziger Jahren Arbeitskräfte braucht und die aus der Türkei anwirbt und holt, sondern umgekehrt wird das sprichwörtliche Paar Schuhe daraus. Die Türkei braucht Arbeitskräfte und Deutsche gehen dorthin, alleine, ohne Familie, ohne Sprache, mit einer anderen Kultur und Religion, um dort zu arbeiten. Später holen sie Frauen und Kinder nach, bleiben, leben und sterben in der neuen Heimat, träumen aber immer noch von Zuhause.

Vieles, was man eigentlich weiß, bekommt – aus der anderen Perspektive – auf einmal einen neuen Bezug, eine neue Emotionalität, eine neue Bedeutung. Danke an ein großartiges Autorenteam, eine wunderbare Regie und ein Ensemble, das so überzeugend agiert, einschließlich der Lieder auf türkischer Sprache, dass auch ich nur sagen kann: hingehen, anschauen und das Stück lieben. Und vor allem die wunderschönen Fotos, die das Theater Bochum veröffentlicht hat, anschauen. Einen kleinen Vorgeschmack mögen meine eigenen Fotos von der Zugabe am Ende des Liederabends vermitteln.