Eine Woche des Erinnerns, des Diskutierens, des Mahnens, der Fröhlichkeit – mein Wochenrückblick in 3-6-6 Bildern

Der 9. November ist der Tag, der meinen Wochenrückblick in besonderer Weise bestimmt. Gerade in diesem Jahr, in dem wir das erste Mal nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der barbarischen Nazidiktatur wieder eine rechtsnationale, in Teilen vielleicht sogar rechtsextreme Partei im Deutschen Bundestag vertreten haben, ist das Erinnern gegen das Vergessen wichtiger denn je.

Der 9. November 1938, die Reichspogromnacht, war der unübersehbare Auftakt für die schreckliche und unmenschliche Judenverfolgung und Judenvernichtung. Bereits in dieser Nacht wurden unzählige Synagogen zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen verwüstet, fanden brutalste Misshandlungen, grausame Überfälle, Verhaftungen, Deportationen und Ermordungen statt. Der 9. November 1938 war und bleibt der Auftakt zum größten Völkermord aller Zeiten. Und er fand in der Mitte der Gesellschaft statt, oftmals unter Beteiligung der Nachbarn, Geschäftspartner, Freunde.

Jährlich erinnern wir am 9. November in ganz unterschiedlichen Veranstaltungen daran. Wir gedenken der unzähligen ermordeter Juden und wir geben ihnen Namen und Gesichter. Wir erzählen ihre Geschichten. Wir tun all das, um das Vergessen zu verhindern, um mit Hilfe des Erinnerns das Verschweigen zu verhindern.

Wir tun das, was wir heute tun können, damit es nicht irgendwann zu spät ist. Wir wehren den Anfängen. So sind auch alle eindeutigen politischen Bekenntnisse und Statements der demokratischen Parteien zu verstehen. Uns eint der Einsatz für die Demokratie und gegen jede Form von Hass, Hetze, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Das sagen wir laut und unüberhörbar, denn wir tragen Verantwortung für das, was heute geschieht. Wir tragen Verantwortung für das, was wir verhindern können.

Ich selbst habe an der Kranzniederlegungen und am stillen Gedenken in Düsseldorf, und anschließend an der würdevollen Gedenkfeier im Düsseldorfer Rathaus teilgenommen. Dort habe ich für den Landtag eine Ansprache gehalten, die man hier nachlesen kann. Und auch im TV-Beitrag von Center-TV Düsseldorf findet man mein Statement. Besonders berührend war die Begegnung mit Hannah Sutton, die als Dreijährige die Pogromnacht in Düsseldorf erlebt und mit ihren Eltern überlebt hat, später über die Niederlande nach England geflohen ist, um letztlich nach Amerika auszuwandern. Ihr Leben, ihr Schicksal standen im Mittelpunkt der Veranstaltung in Düsseldorf.

Am Abend haben wir, viele SPD-Mitglieder und auch wir Abgeordneten aus Bund und Land, an der Gedenkveranstaltung in der Bochumer Innenstadt teilgenommen. Ein wichtiger Termin im November, der nie vergessen werden darf. Ein Termin, den wir auch nie vergessen werden.

Wie schon in Düsseldorf haben auch in Bochum Schülerinnen und Schüler das Programm mitgestaltet. Dafür ein herzliches Dankeschön. Vor allem an den Jugendring Bochum, der sich immer in besonderer Weise engagiert. Der Mitwirkung junger Menschen geht ja stets eine ausführliche Beschäftigung mit dem Dritten Reich und seiner verblendeten und menschenvernichtenden Ideologie voraus. So werden junge Menschen zu Botschaftern des „Nie wieder“.

Am Montagabend habe ich an der Eröffnung des Literatürk Festivals in Essen teilgenommen. Fatma Uzun und Semra Uzun-Önder habe ich vor einigen Jahren im Rahmen der Arbeit in der Parlamentariergruppe NRW-Türkei kennengelernt. Seitdem haben sich unsere Wege nicht wieder getrennt. Ganz im Gegenteil, diese wunderbaren, engagierten und mutigen Frauen sind mir sehr ans Herz gewachsen.

Das Litertürk-Festival hat gerade in der heutigen Zeit, in der das deutsch-türkische Verhältnis mehr als angespannt und überaus fragil ist, eine besondere, eine brückenbauende Funktion. Das Motto „Macht und Ohnmacht“ ist daher treffend gewählt und gesetzt. Und natürlich war der Eröffnungsabend, mit der Lesung von Zeruya Shalev, deren deutsche „Stimme“ die großartige Maria Schrader war, ein Genuss an sich. In diesem Jahr kann man noch bis zum 15. November an Veranstaltungen teilnehmen. Wer das nicht schafft, den ich muss ich allerdings auch wieder auf das kommende Jahr vertrösten.

Was war sonst noch so los? Wo hätte man mich treffen können? Auf der Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung „Abitur im eigenen Takt“, bei der über die Rückkehr zum neunjährigen gymnasialen Bildungsgang diskutiert wurde, ohne allerdings ausschließlich organisatorische Fragen in den Mittelpunkt zu stellen.

Oder bei der Akademischen Jahresfeier der Ruhruniversität Bochum, bei der unter anderem auch der Lore-Agnes-Preis vergeben wurde. Mit dem Lore-Agnes-Preis würdigt das Rektorat der Ruhruniversität das Engagement von Fakultäten, Lehrstühlen, Dezernaten, Abteilungen und Einrichtungen auf dem Feld der Gleichstellung. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. In diesem Jahr ging er an das Women Professors Forum. Aber im Mittelpunkt der Akademischen Jahresfeier standen, wie jedes Jahr, die Studierenden, an die Preise für ihre herausragenden Leistungen vergeben wurden.

Und dann natürlich – der 11.11. war ja nicht zu übersehen – war ich beim Karnevalsauftakt. Zum einen in Dortmund, wo meine liebe Kollegin Nadja Lüders zur Dortmunder Karnevalsprinzessin Nadja I. gekrönt wurde. Ja, man liest richtig, die Landtagsabgeordnete, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und SPD-Vorsitzende in Dortmund ist jetzt „adelig“. Zumindest eine paar Wochen lang, nämlich für die Karnevalssession 2017/2018. Ihren ersten offiziellen Auftritt hat sie richtig toll gemeistert. Auch wenn uns Politikerinnen die politischen Bühnen bestens vertraut sind, das karnevalistische Parkett ist doch ein völlig anderes. Das gilt es zu erobern. Hat in Dortmund charmant geklappt. Das Dortmunder Prinzenpaar hat sogar eine eigene Facebook-Seite. Wer sich also auf dem laufenden halten will …

So richtig gekracht hat es dann aber bei uns in Bochum. Bochum man tau! Karneval helau! Seit Samstagabend hat Bochum hat ein Dreigestirn, und was für eins! Prinzessin Birgit I., Jungfrau Christiane I. und Bäuerin Petra II. so heißen die drei Powerfrauen, die wahrlich keine Neulinge im Karneval sind. Alle drei sind seit Jahren engagiert, in ihren eigenen Vereinen, im Festausschuss Bochumer Karneval, als Adjutantinnen, oder … Es ist einfach richtig: sie leben Karneval, sprühen vor Freude und Energie, bringen Stimmung in jeden Saal, und haben sich sogar aufs Singen eingelassen. Was, wie Christiane I. gesteht, zumindest für sie eine riesige Herausforderung darstellt. Ich freue mich schon sehr auf eine wunderbare Session. Mit diesem Dreigestirn kann eigentlich gar nichts schief gehen.

Die Proklamation war spritzig, mitreißend und ausschließlich mit eigenen Bochumer Programmpunkten gestaltet, die den Saal der Ruhrlandbühne in ein einziges, fröhliches Narrenschiff verwandelt haben. Die Session verspricht eine der besten in Bochum zu werden, dank unseres Frauenpower-Dreigestirns! Bochum man tau!