Sonntag, also wieder einmal Zeit für meinen neuen Wochenbericht

Der heutige Wochenbericht wird – und diesmal ist es keine „fromme“ Ankündigung, sondern Realität – kürzer als sonst werden. Der Grund? Keine sitzungsfreie Zeit oder ähnliches, sondern schlichtweg eine richtig fiese Erkältung mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Schwitzen und Frieren. Also dem vollen Programm, das man weder haben möchte, noch gebrauchen kann. Bis Donnerstag habe ich es noch geschafft, danach ging erst einmal gar nichts mehr. Viel Tee, Medikamente, Bettruhe (was man so Bettruhe nennt) und einfach zwei Tage lang alle Termine absagen und zu Hause bleiben, das war angesagt.

Doch bis es soweit war, haben Serdar Yüksel, Dr. Karsten Rudolph und ich  – also die „Drei für Bochum“ – den neuen Regierungspräsidenten, Hans-Josef Vogel, in Arnsberg besucht. Was als Antrittsbesuch geplant war, wurde ganz schnell ein gutes, intensives, konstruktives Gespräch über viele verschiedene Themenbereiche. Wir waren – wahrscheinlich alle vier – überrascht, wie gut wir uns auf Anhieb verstanden haben. Und das immerhin über Parteigrenzen hinweg. Da ist es sicherlich kein Wunder, dass wir Folgetermine fest ins Auge gefasst haben.

Die SPD-Abgeordneten in Düsseldorf haben in der letzten und in der nächsten Woche jede Menge Praktikantinnen und Praktikanten, die ihnen über die Schulter blicken und sich einen persönlichen Eindruck über die Arbeit von Angeordneten und Fraktionen machen wollen. Das Besondere daran ist, dass es sich um Schülerpraktikanten handelt. Also junge Männer und junge Frauen, die zwischen 15 und 17 Jahren alt sind. Es war mir eine große Freude, die 18 jungen Frauen und Männer am Montag begrüßen zu dürfen. Auch ich habe eine Praktikantin. Sie heißt Laura, ist 15 Jahre alt und geht in  Düsseldorf zur Schule. Ich bin sehr gespannt, was sie am Ende der Zeit, in der sie mit mir zu Ausschüssen und Arbeitskreisen gegangen ist, in Besprechungen und in der Sitzung der Parlamentariergruppe dabei war, und einige Arbeitsaufträge – Recherchen anstellen, Vergleiche erarbeiten, Texte lesen und zusammenfassen, kleine Antwortmails entwerfen – bearbeitet hat, sagen wird. Auf jeden Fall hat sie schon festgestellt, dass die Arbeitstage der Abgeordneten ganz schön lange sein können.

„Parlamentariergruppe“ und „Tage können lang sein“, sind zwei Stichwörter für den Mittwoch der letzten Woche. An diesem Tag hat die Parlamentariergruppe NRW-Türkei zum zweiten Mal getagt. Zu Gast waren die vier Generalkonsule der Türkei, mit denen wir die früher geknüpften Kontakte und Beziehungen fortsetzen wollen, auch und gerade unter den erschwerten Bedingungen. Denn das deutsch-türkische Verhältnis ist ja, diplomatisch formuliert, nicht spannungsfrei. Daher wollten wir Abgeordneten eigentlich genau darüber, und über die aktuelle Situation in der Türkei reden. Eigentlich …

Wir haben dann lange getagt, über Vieles geredet, wir haben viel und lange zugehört, und letztlich wenig wirklich Neues erfahren. Alles in allem war es ein „diplomatisches“ Gespräch, dem auch weitere folgen werden und müssen. Diplomatisch bedeutet: wir waren höflich und freundlich, ohne allerdings politisch beliebig oder unklar gewesen zu sein. Miteinander zu reden bedeutet schließlich auch, die Befindlichkeiten und die Rolle des Gegenübers zu respektieren. Das haben wir getan.

Fast nahtlos bin ich dann, mit schon sehr angegriffener Stimme (gesundheitlich gemeint), in den gemeinsamen Parlamentarischen Abend der Pharmaindustrie und der IGBCE gestartet. Wie man sieht, habe ich das Grußwort des Landtags gehalten und bin auch noch, weil es echt spannend und informativ war, recht lange geblieben. So viele Fachleute, Wissenschaftler, Forscher, Vertreter der Pharmaindustrie in NRW und auch Ärzte, aber jeder, wirklich jeder hatte einen anderen guten, bewährten, auf jeden Fall zu berücksichtigenden Ratschlag für mich und meine Erkältung. Wie war das noch mit den vielen Köchen und dem Brei?

Am Donnerstag habe ich dann erst die Anhörung und die Sitzung des Hauptausschusses, und anschließend noch eine Ausschussvertretung im Ausschuss für Frauen und Gleichstellung mitgemacht, anschließend meinen Schreibtisch leer- und aufgeräumt, das an Unterlagen für Zuhause eingepackt, was ich zum Teil im Bett, zum Teil dick eingepackt am Schreibtisch erledigen kann, und dann habe ich mich auf den Weg nach Hause, nach Bochum gemacht.

Noch nicht ganz wieder hergestellt, aber pflichtbewusst und weil sie ihr 20-jähriges Jubiläum feiern, haben Heinz-Martin und ich dann wenigstens für zwei Stunden am Samstagabend die Jubiläums-Karnevals-Party der Schlappen Lappen bei uns in Bochum-Werne besucht. Ich feiere ja wirklich gerne Karneval, aber mit einer Erkältung macht auch das nicht so richtig Spaß. Aber das Programm war großartig!

Sonntagvormittag hat mich mein Weg dann nach Warstein zum Neujahrsempfang des SPD-Stadtverbands geführt. Meine liebe Landtagskollegin Marlies Stotz, die neue stellvertretende Landrätin Heike Kruse, der Stadtverbandsvorsitzende Holger Deimer, der Fraktionsvorsitzende Bernd Schauten und ich, wir alle haben zwar unterschiedliche Worte gefunden, aber letztlich alle dasselbe gesagt: Demokratie kommt nicht von alleine, bleibt nicht automatisch und braucht uns alle.

Als Hauptrednerin ist es mir – wie die Rückmeldungen zeigen – gelungen, nicht nur über die Zukunft der Demokratie und über die Rolle der SPD zu reden, sondern auch die Genossinnen und Genossen an ihrer sozialdemokratischen Seele zu packen. Die Botschaft, sich gerade jetzt ganz aktiv und engagiert für das gesellschaftliche Miteinander in einem demokratischen Staat stark zu machen, ist erkennbar angekommen. Darüber hinaus hat sich die ein oder andere Nachdenklichkeit im Saal breit gemacht, und am Ende war der Stolz und die Freude, Mitglied in dieser wunderbaren, streitbaren, unverzichtbaren SPD zu sein, mit Händen zu greifen. Will ich mehr? Nein! Außer heute am späten Nachmittag am Konzert zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bei uns in Bochum in der Christuskirche teilzunehmen. Doch dazu im nächsten Wochenbericht mehr.