Karnevalssonntag – neben „Helau, Alaaf und Bochum man tau“ – gibt es auch meinen neuen Wochenbericht

Okay, ich rede gar nicht lange drum herum, es gab bislang in meinem politischen Leben kaum eine Woche, in der ich so ratlos war wie in der letzten Woche. Noch am Montagabend haben wir in Bochum – ohne dass die Koalitionsgespräche bereits abgeschlossen gewesen wären – eine lange, intensive, faire und respektvolle Diskussion „GroKo Ja oder Nein“ geführt. Dass auch Eva Kerkemeier für die IG Metall über die Tarifverhandlungen und die Situation bei ThyssenKrupp berichtet hat, war zwar sehr wichtig, aber die Frage „Was passiert eigentlich gerade in Berlin, und wie stehen wir dazu“, war schlussendlich doch noch ein wenig spannender. Wer wollte es der SPD auch verdenken? Immerhin geht es um sehr viel. Uns in Bochum war und ist das klar. Keine Frage! Aber anderen? Und was sich im Laufe der Woche noch ergeben würde, konnte an diesem Abend niemand ahnen. Wie auch?

Auch am Dienstag, als der Landtag ganz im Zeichen der Jahrgangsstufen 9 stand, die aus vielen verschiedenen Schulen und Regionen unseres Landes kamen, war die Frage „Wie geht es weiter in Berlin und welche Bedeutung hat das für Nordrhein-Westfalen“ ein Thema. Mehr als 400 Schülerinnen und Schüler haben an diesem Tag den Landtag besucht, ganz viel über die Arbeit im Parlament erfahren, selbst im Plenarsaal ausprobieren können, wie das ist, wenn man vor rund 200 Menschen eine Rede hält und für seine Überzeugung wirbt, und natürlich wurde im Schulprogramm auch mit dem Präsidenten und den Vizepräsidenten diskutiert.

So wie es anders überhaupt nicht sein kann, wurde die Frage nach der Groko natürlich diplomatisch und nicht einseitig parteipolitisch beantwortet. Aus meinem Wahlkreis war übrigens die Anne-Frank-Realschule aus Bochum-Gerthe dabei. Eine sehr engagierte und immer aktive Realschule. Gut, dass es euch gibt.

Und ab Mittwochnachmittag ging es dann politisch irgendwie Schlag auf Schlag: Koalitionsvertrag, möglicher Kabinettszuschnitt, Riege der eventuellen SPD-Minister wird bekannt, Rückzug Martin Schulz vom Parteivorsitz und gleichzeitig Antritt als Außenminister, Andrea Nahles soll neue Parteivorsitzende werden, kein Platz für Sigmar Gabriel im möglichen neuen Kabinett, Entsetzen bei Jusos und vielen anderen, dass fast ausschließlich über Personalfragen statt über die Inhalte geredete, berichtet und bewertet wird, massiver Widerstand gegen Martin Schulz als Außenminister, Interviews von Sigmar Gabriel, Hintergrundberichterstattungen, die sich fast überschlagen, viele, viele Emails, Telefonate, Gespräche, Telefonschaltkonferenzen … und am Ende dann am Freitagmittag der komplette Rückzug von Martin Schulz.

Nein, fragt mich besser nicht, was ich von all dem halte. Es würde wahrscheinlich mehr als diesen Wochenbericht sprengen. Auch wenn ich wirklich Manches nachvollziehen kann, verstehen tue ich es nicht. Und Recht haben all diejenigen, die öffentlich die Frage nach Gradlinigkeit, Wort halten, Glaubwürdigkeit … stellen. Aber, bei aller berechtigten Kritik an diesen Chaos-Tagen: das ist nicht die SPD, die ich kenne. Das sind nicht die engagierten Politikerinnen und Politiker, die gerade in der Kommunalpolitik alles geben und sich einsetzen. Auch wenn wir alle jetzt die Kritik einstecken müssen, gerade die Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker haben sie nicht „verdient“.

Jetzt kommt es ganz entscheidend auf uns an. Auf uns, die wir aus Überzeugung und mit gefestigtem politischem Kompass Mitglied dieser wichtigen Partei sind. Ich bin sicher: wir lassen uns die SPD nicht kaputtmachen und erst recht nicht kaputtreden. Auch wenn es gerade mehr als schlecht läuft, jetzt muss Ruhe rein. Besinnen wir uns endlich auf unsere Stärken! Deshalb lasst uns das anpacken und selbst in die Hand nehmen, worüber wir schon die ganze Zeit reden: die Erneuerung! Da brauchen wir doch gar nicht auf andere zu warten. Es braucht keine Ansagen von oben. Das machen wir jetzt ganz alleine. Und wir machen es bestimmt gut! Da bin ich sicher.

Zum Abschluss des heutigen Wochenberichts, wie könnte es am Karnevalssonntag auch anders sein, kommt hier noch einmal jede Menge Karneval. Wer sich absolut nicht dafür erwärmen kann, könnte ja einfach an dieser Stelle wieder Schluss machen.

Am Dienstag hat in Frechen das CJD – das Christliche Jugenddorfwerk – einen bunten, fröhlichen und tollen Karneval gefeiert. Schön war es bei euch, und ein herzliches Frechen Alaaf für euch alle!

Freitagabend ging es dann ab nach Köln zu meinem Freund Achim Kaschny, der schon lange Präsident der Alten Kölner Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“ 1901 e.V. ist. Kölner Karneval – oder richtiger: Fastelovend – ist für uns feierfreudige Westfalen nach wie vor eine Herausforderung. Alleine, weil es immer sooo lange dauert! Aber es ist eine Herausforderung, die wir gerne und mit großem Spaß meistern. Ja, an den Kölner Karneval kommt eben so schnell nichts anderes heran.

Das „Größte“ und wie ich finde Beste bei „Schnüsse Tring“ sind die eigenen Tanzgruppen: die Kammerkätzchen und Kammerdiener. Die gibt es einmal als fantastische Jugendgruppe, und dann, wenn die Jugendlichen 18 sind, als Erwachsenengruppe. Es gibt landauf, landab viele richtig gute Tanzgruppen. Aber die Kammerkätzchen und Kammerdiener sind schon etwas ganz Besonderes.

Und wer glaubt, nur Rheinländer könnten Karneval feiern, irrt gewaltig. Ich habe ja schon oft vom Karneval in Bochum berichtet, deshalb wird es euch nicht wundern, dass wir am Samstag Wind und Wetter getrotzt und wie jedes Jahr das Karnevalsbiwak in der Bochumer Innenstadt durchgeführt haben. Ich bin übrigens die, mit dem Zylinder und dem gelben Schal.

Völlig außer Rand und Band ging es am Samstagabend in Bochum-Werne, also mitten in meinem Wahlkreis, weiter. MGV Cäcilia hatte zum Hüttengaudi geladen. Meine Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche und ich haben uns nicht lange bitten lassen, sondern uns – getreu dem Motto – in zwei fesche Maderln verwandelt. Spaß hatten wir ohne Ende, gute Laune trotz Politik, obwohl, politisch wurde es am Ende dann doch noch. Dafür haben schon die Cäcilien-Funken gesorgt. Die Cäcilien-Funken sind seit langer Zeit die politischste Gesangsgruppe, die es weit und breit gibt. Ihr musikalischer Jahresrückblick, aktuell bis in die letzten Stunden und Entwicklungen in Berlin hinein, ist immer wieder ein Höhepunkt des Bochumer Karnevals. Da kann ich nur sagen: Cäcilien-Funken helau! Bochum man tau! Karneval helau!

Wer sich jetzt als Karnevalsmuffel bis zu dieser Stelle tapfer durchgekämpft hat, soll noch ein wenig „belohnt“ werden. Der VfL Bochum hat endlich Nägel mit Köpfen gemacht und den Sportvorstand und den Trainer entlassen. Gut so, und vor allem mehr als überfällig. Die Mannschaft hat es den treuen Fans dann auch prompt mit einem Sieg am letzten Freitag „gedankt“. Ich glaube, mein Mann ist noch heute ein ganz kleines bisschen sauer auf mich, dass wir am Freitagabend statt im Stadion im Kölner Karneval unterwegs waren.

Und zwei Goldmedaillen haben wir seit Samstag auch schon bei den olympischen Winterspielen. Im Biathlon und im Skispringen. Herzlichen Glückwunsch an Laura Dahlmeier und Andreas Wellinger! Es könnten im Laufe des Tages sogar noch mehr Medaillen werden. Mal schauen, wie unsere Olympiateilnehmer heute und vor allem auch in den kommenden Tagen drauf sind. Ich drücke jedenfalls ganz fest die Daumen.

Während ich genau diese Zeilen schreibe, läuft im Fernseher bereits das Biathlon-Rennen der Männer. Es ist spannend, spannend, spannend. Und vielleicht gibt es weitere Medaillen schon bevor mein Wochenbericht online ist. Ich fiebre jetzt mit Arnd Pfeiffer mit! Und … Ja, er hat die Goldmedaille!! Super! Herzlichen Glückwunsch!