Bochum, Marxloh, Wipperfürth – und mein neuer Wochenbericht

„Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ soll uns Wilhelm Busch als Zitat, das fast universell angewendet werden kann, hinterlassen haben. In dieser Woche habe ich das Zitat mehr als einmal verwand. Und warum und wo, könnt ihr gleich erfahren.

Heute, am Sonntagvormittag, fand das Zitat seinen Weg nach Wipperfürth. Dort verleiht die SPD seit vielen Jahren im Umfeld der Internationalen Frauentags die Auszeichnung „Wipperfürtherin des Jahres“. In diesem Jahr ging diese Auszeichnung an Damjana Gortnar-Schacherer für ihr unermüdliches und langjähriges Engagement als Mitglied und Vorsitzende der Ökumenischen Initiative Weltladen Wipperfürth, für ihre ebenfalls langjährige Flüchtlingsarbeit im Rahmen der Caritas, und für ihren Einsatz als Nachbarschaftshelferin in ihrem Wohnviertel. Eigentlich sollte Svenja Schulze, noch Generalsekretärin der NRW SPD, die Laudatio halten. „Doch erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.“

Kurzfristig bin ich eingesprungen als klar war, dass Svenja Schulze in Berlin gefordert sein würde. An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an die neue Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Und einen genauso herzlichen Glückwunsch an Michelle Müntefering, meine Bundestagsabgeordnete. Sie ist ja, bestimmt sehr zur Überraschung Vieler, Staatsministerin für Auswärtige Kulturpolitik geworden.

Also, wie gesagt, ich bin für Svenja eingesprungen. Das habe ich wirklich sehr gerne gemacht, auch wenn mich die Kurzfristigkeit und die noch zu schreibende Laudation ein wenig unter Zeitdruck gesetzt hat. Aber, meine SPD in Wipperfürth, hatte sich so sehr gewünscht, dass ich noch einmal komme, dass ich einfach nicht Nein sagen wollte. Das „noch einmal“ bezieht sich übrigens darauf, dass ich bereits im Jahr 2013 schon einmal eine Laudatio auf die damalige „Wipperfürtherin des Jahres“, auf Claudia Nassenstein, gehalten habe.

„Erstens kommt es anders …“ trifft auch auf den Samstagabend zu. Eigentlich dachte ich, dass Heinz-Martin und ich „nur“ den Zugabend der 1. und 2. und 4. Kompanie der Bochumer Maiabendgesellschaft besuchen würden. Doch unverhofft wurde ich – gemeinsam mit der Bürgermeisterin Erika Stahl – auf die Bühne gerufen. Und dort hat man mich sehr, sehr überrascht. Für mein Engagement und meine Treue zur Maiabendgesellschaft und zum Bochumer Maiabendfest habe ich nämlich von den drei Kompanien eine Kappe für das Bochumer Maiabendfest überreicht bekommen. Ich muss gestehen, ich war einen kleinen Moment sprachlos. Denn damit konnte ich überhaupt nicht rechnen. Da trifft das Zitat „Erstens kommt …“ im wahrsten Sinne des Wortes  zu. Nun bin ich gut „behütet“ und das Maiabendfest kann kommen.

Wer sich die Fotos vom Zugabend anschaut, wird vielleicht merken, dass bei der Bochum Fahne etwas nicht stimmt. Erkannt? Oder doch nicht? Na, ich verrate es mal nicht, und warte einfach ab, ob mir jemand die Lösung dieses Rätsels schicken wird. Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen! Der Grund für das, was nicht stimmt, liegt übrigens darin, dass die Fahne eine Originalfahne aus dem Jahr 1953 ist. Gut lieber Hansi, dass du sie gefunden, und aus ihrem Dornröschenschlaf befreit hast.

Auch am Donnerstag im Sophie-Scholl-Berufskolleg in Duisburg-Marxloh hatte ich den Eindruck, mit diesem Busch-Zitat nicht ganz verkehrt zu liegen. Die meisten von euch werden bei Marxloh an das Bild denken, das immer wieder durch die Medien geht. Schrottimmobilien, hohe Kriminalität, abgehängter Stadtteil … – aber „mein“ Marxloh ist ein anderes. Es ist gekennzeichnet durch sehr engagierte Schulen, Lehrerkollegien, junge Menschen, die „ihr“ Marxloh lieben und unbedingt weiterentwickeln wollen, und alles tun, um gegen das landläufige Bild von Marxloh anzugehen.

Und dazu gehören eben immer wieder viele tolle Aktionen. Das wird Eigeninitiative gezeigt, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Im letzten Jahr zum Beispiel haben die Schüler verschiedener Marxloher Schulen ein großes, buntes, fröhliches Jugendstraßenfest unter dem Motto „Marxloh kann …“ auf die Beine gestellt. Erinnert ihr euch noch?

Am Donnerstag wurde im Sophie-Scholl-Berufskolleg nun eine wunderbare Fotoausstellung, die eine Brücke zwischen französischen Jugendlichen und „meinen“ Jugendlichen in Marxloh schlägt, eröffnet. Der Fotoausstellung waren verschiedene Workshops vorausgegangen. Zur Vorbereitung der eigentlichen Veranstaltung haben sich unterschiedliche Kurse und Klassen viele, viele Gedanken gemacht, und zum Themenschwerpunkt „Demokratie“ passende Aktionen entwickelt und einstudiert. Zwei Schüler haben sich sogar getraut, die Gesamtmoderation der Veranstaltung zu übernehmen. Sie haben es fantastisch gemacht. Großes Kompliment!

Und als absoluten Höhepunkt haben es die Schüler sogar geschafft, Professor Dr. Alfred Grosser, den großartigen Publizisten, Politikwissenschaftler und herausragenden französischen Intellektuellen mit deutsch-jüdischen Wurzeln, der stolze 93 Jahre alt ist, für einen Vortrag zu gewinnen. Was soll ich sagen, es war einfach unglaublich berührend und fordernd. Er hat die jungen Menschen alle in seinen Bann gezogen. Und das in ganz nachdenklicher, leiser und gerade deshalb so „lauter“ Weise.

Das, ihr Lieben, ist „mein“ Marxloh. Und ich bin stolz, seit zwei Jahren die Schirmherrin von „Marxloh kann …“ sein zu dürfen. Wie gesagt, denke ich an Marxloh, dann ist das „erstens anders …“.

Weniger freudig, eher erneut frustriert, kann ich „Erstens kommt es anders, …“ auch auf das Spiel vom VfL Bochum am letzten Samstag anwenden. Eine großartige, spritzige, den Gegner beherrschende erste Halbzeit, die einfach nur toll war. Endlich wieder einmal! Und dann die zweite Halbzeit, bei der du denken konntest, auf dem Spielfeld wäre eine völlig andere Elf aufgelaufen. Na, es ist eben nicht immer leicht, VfL-Bochum-Fan zu sein. Das letzte Spiel hat das leider wieder bestätigt.

Aber, da jetzt jeder Punkt zählt, ist das Unentschieden auch wichtig. Und doch, es hätte ja auch einmal klappen können. Oder? Prima und wirklich besonders war aber – trotz allem – das Verhalten der Fans. Gleich zu Beginn hat es wieder ein blau-weißes Fahnen-, Schal- und Banner-Meer gegeben. Da sind die Bochumer schon klasse.

Und wer jetzt in meinem Wochenbericht noch erwartet, dass ich detailliert beschreibe, wie die letzte Woche verlaufen ist, welche weiteren Termine es gegeben hat, was ich zum Internationalen Frauentag, zum neuen Bundeskabinett, über meine Klausurtagung zur Bildungspolitik, oder zu verschiedenen anderen Ereignissen zu sagen habe, den werde ich jetzt „bitter“ enttäuschen. Aber auch damit muss man manchmal leben.

Doch, wisst ihr was? Ich lasse euch – quasi als Ausgleich – gerne an dem Blick auf Düsseldorf teilhaben, mit dem jeden Morgen mein Arbeitsalltag im Landtag beginnt. Zumindest, wenn es nicht in Strömen regnet.

Und zum anderen will ich nicht verschweigen, dass wir drei Bochumer SPD-Landtagsabgeordnete, Dr. Karsten Rudolph, Serdar Yüksel und ich, gemeinsam mit unserem Bundestagsabgeordneten Axel Schäfer am letzten Montag die Technische Hochschule Georg Agricola bei uns in Bochum besucht haben. Eine Hochschule, der wir alle aus ganz unterschiedlichen Gründen eng verbunden sind. Ich bin dort sogar Mitglied im Hochschulrat. Eine Aufgabe, die ich sehr gerne und mit großer Freude ausfülle.