Sambia, Digitalisierung, nordrhein-westfälische Bildungspolitik, Katholischer Kirchentag in Münster, St. Sebastianus Schützenverein und die Heimatsucher – ein Wochenbericht, der es echt in sich hat

Fröhlich – im wahrsten Sinne des Wortes – voller Informationen zum Landtag als Volksvertretung einerseits, und zu unserem wirklich beeindruckenden Gebäude andererseits, konnte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Dietmar Bell aus Wuppertal in die letzte Woche starten. Die Hochschule Wuppertal hatte nämlich eine Besuchergruppe junger Studierender aus Sambia zu Gast, die während ihres Aufenthalts auch den Landtag besucht haben.

Alle jungen Frauen und Männer sind angehende Pädagogen und freuen sich darauf, bald schon ihren Dienst an den verschiedenen Schulen in Sambia antreten zu können. Sie hatten natürlich viele Fragen mitgebracht, und – nachdem sich ihr Erstaunen, dass Abgeordnete sich viel Zeit für sie genommen haben, gelegt hatte – ergab sich auch eine muntere und kurzweilige Diskussion. Dass die Bildungspolitik im Mittelpunkt stand, wundert bestimmt Niemanden. Aber wir haben auch über die Demokratie, den Stellenwert des gewählten Parlaments, die Frage, wie gute politische Entscheidungen zustande kommen, und über vieles mehr miteinander gesprochen.

Abends gab es auch eine muntere Diskussion, allerdings über ein völlig anderes Thema. Die Bochumer SPD hatte wieder einmal zu einem ihrer Parteitage eingeladen, und dabei das weite Themenfeld „Digitalisierung“ auf die Tagesordnung gesetzt. Matthias Machnig, früherer Wirtschaftsminister in Thüringen und mehrfach Staatssekretär in Berlin, hat – Achtung,  jetzt wird es erst einmal von der Formulierung her theoretisch und etwas trocken – zum Thema „Der digitale Kapitalismus als politische Herausforderung“ referiert. Aber, sowohl seine Rede als auch die anschließende Diskussion waren ganz und gar nicht „trocken“ oder gar langweilig. Matthias Machnig hat es geschafft, dass wir uns – berechtigterweise – nicht ausschließlich mit der Instrumentendebatte oder gar dem Netzausbau beschäftigt haben. Dieser Parteitag war ein gelungener Auftakt für eine kontinuierliche und längerfristige Beschäftigung mit allem, was rund um die Digitalisierung eine Rolle spielt.

In Düsseldorf hat neben den „unendlichen Geschichten“ rund um die Landwirtschaftsministerin – neuste Posse: der Hackerangriff, der ein Bedienungsfehler war – vor allem das Gutachten zur Kostenschätzung bei der Wiedereinführung von G9 eine Rolle gespielt. Diesmal hat uns die Bildungsministerin im Ausschuss informiert, bevor sie damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Gut so! Bei anderen Themen war das ja nicht immer der Fall.

Nun sind wir erst mal gespannt, wie die bisher doch so „konstruktiven Gespräche“ mit den kommunalen Spitzenverbänden, sagt zumindest Staatssekretär Richter im Ausschuss, weitergehen werden. Und Wunder über Wunder, auf einmal ist es auch eine große Selbstverständlichkeit, dass auch das Parlament die Kosten kennt und ein Gefühl dafür erhält, was die zu treffende politische Entscheidung eigentlich finanziell bedeutet. Fast wörtlich wurde uns erklärt, dass „natürlich“ das Parlament diese Informationen vor seiner finalen Entscheidung im Sommer haben müsse. Als wir aber genau das im letzten Jahr mehr als einmal eingefordert haben, hörte sich das allerdings aus dem selben berufenen Mund noch ganz anders an. Ein Schelm, der bei diesem Sinneswandel etwas Böses denkt.

Ach, die Kosten habe ich ja noch nicht genannt. Das Gutachten geht von investiven Kosten in den Kommunen in Höhe von mindestens 518 Millionen Euro, und weiteren Kosten in Höhe von jährlich 31 Millionen Euro für den laufenden Betrieb aus. Nicht zu vergessen, die zusätzlichen 2.000 Lehrerstellen, die auch mit 100 Millionen zu Buche schlagen, allerdings beim Land selbst. Ich bin gespannt, wie die Frage der Konnexität am Ende entschieden wird. Sobald das feststeht, geht es nämlich noch weiter, denn auch die Ersatzschulen werden ihre Forderungen erheben, und der bisherigen Ersatzschulfinanzierungs-Logik folgend werden weitere Umstellungskosten auf das Land zukommen. Die sind bislang noch nicht beziffert worden.

Großer Schnitt in der Berichterstattung: nach dem Schulausschuss geht es zum Katholischen Kirchentag in Münster. Fröhlich, entspannt, vielfältig, fordernd, Frieden suchend –  so kann man ihn gut beschreiben. Am Samstag durfte ich – als evangelische Christin und Landtagsvizepräsidentin – sogar mitwirken. Die Europa-Union hatte nämlich ihre Kooperationspremiere beim Katholischen Kirchentag unter das Motto „Suche Frieden – finde Europa“ gestellt und mich eingeladen, an einem ihrer Thementische, die ganz im Sinne des World-Cafés organisiert waren, als Impulsgeberin und politische Entscheiderin mitzuwirken.

Mein Thementisch beschäftigte sich mit allen Fragen, Meinungen und Herausforderungen rund um die Themen Migration, Flüchtlinge und Freizügigkeit. In zwei Runden wurde an den Tischen, also auch an meinem diskutiert, nachgefragt, angeregt, gefordert, zugehört und auch voller Engagement gestritten. Spaß hat es gemacht und das nicht nur mir. Wir waren uns zweimal einig: Europa geht gemeinsam, oder es geht gar nicht.

Zu Beginn unseres Europa-Cafés hatten wir, unangekündigt und daher um so schöner, auch noch richtig „hohen“ Besuch. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, der Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, war gekommen und – wie hätte es auch anders ein können – es gab natürlich ein kurzes Gespräch mit ihm auf der Bühne, und zwar zu Europa und den aktuellen Herausforderungen. Aber nicht nur das, er hat sich sogar noch Zeit genommen, um an einem Thementisch in der ersten Runde mitzudiskutieren. Echt stark!

Echt stark waren aber auch die ganz verschiedenen Mitmach-Angebote der örtlichen Gruppen der Europa-Union. Bei der Europa-Union im Kreis Steinfurt konnte man zum Beispiel Friedenskraniche basteln. Dazu braucht es etwas Fingerfertigkeit, keine Frage, aber es macht auch richtig Spaß! Wie man auf dem Bild sieht.

Die letzte Etappe in meinem Wochenrückblick ist dem Sonntag gewidmet. Nein, es geht nicht um Muttertag und auch nicht um die Zweite Bundesliga, obwohl ich natürlich beim letzten Heimspiel der Saison an der Castroper war, was für eine Frage!

Nein, es geht um den Gedenktag der Stephanie von Hohenzollern, der in Düsseldorf ein wichtiges und ehrwürdiges Ereignis für den St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V. darstellt. Alle Düsseldorfer Schützenvereine beteiligen sich an diesem großen Ereignis. Hier wird nicht nur Tradition gepflegt, sondern auch an die wichtigen Werte, die unsere Gesellschaft zusammenhalten und zugleich den Begriff Heimat mit Leben füllen, erinnert.

Wie schon so manches Mal vorher habe ich auch in diesem Jahr am Festgottesdienst teilgenommen, die Schützen-Front mit abgeschritten, um anschließend dann die Feierstunde zu erleben. Dieses Jahr war es eine ganz besondere Feierstunde, weil meine Freundinnen und Freunde von dem Verein Heimatsucher mit dem Preis des St. Sebastianus Schützenvereins ausgezeichnet wurden. Ein ganz klein wenig geht diese Auszeichnung an die Heimatsucher auch auf mich zurück, denn ich habe die Schützen, genauer gesagt ihren Chef Lothar Inden, im letzten Jahr mit ihnen bekannt gemacht.

Die wunderbare und unverzichtbare Arbeit der Heimatsucher zu beschreiben, würde viele Seiten füllen. Deshalb mein dringender Tipp: schaut euch einfach die Homepage der Heimatsucher in aller Ruhe an. Und für die, die nicht abwarten können, nur so viel: der Verein arbeitet gegen das Vergessen des Holocaust, erzählt als Zweitzeugen in Schulen und Jugendgruppen von den Schicksalen der Überlebenden, und baut so in sehr berührender und fast unbeschreiblicher Weise Brücken zwischen jungen Menschen in Deutschland und Jüdinnen und Juden in Israel, die die Nazibarbarei überlebt haben. Eine Arbeit, die unbedingt unterstützt werden muss. Herzlichen Dank an die St. Sebastianer, dass sie den mit 5.000 Euro dotierten Preis für diese wichtige Arbeit vergeben haben.

Auf den Bildern sieht man zum einen Sarah Hüttenberend und Vanessa Eisenharth von den Heimatsuchern im Gespräch mit Edmund Spohr, Düsseldorfer Architekt, Denkmalpfleger, Stadtplaner und Buchautor. Später dann, wie sie auf der Bühne von ihrer Arbeit berichten und den Preis entgegen nehmen. Und das letzte Foto zeigt neben den Heimatsuchern die Düsseldorfer Bürgermeisterin Claudia Zepuntke sowie Lothar Inden und Wolfgang Vollmer von den St. Sebastianern. Glückwunsch an die Heimatsucher und danke, dass es euch gibt.