Heinrich-Bußmann-Schule in Lünen – ein Schulbesuch der in Erinnerung bleiben wird – mehr dazu in meinem neuen Wochenbericht

Das Salz in der Suppe der Abgeordnetentätigkeit – übrigens ein wunderschöner Beruf, der es ermöglicht ein ursprüngliches „Hobby“ und ehrenamtliches politisches Engagement auch hauptamtlich fortführen zu können – sind die vielen, ganz unterschiedlichen Begegnungen mit Menschen, die interessanten Gespräche und die politischen Handlungsaufträge, die daraus erwachsen.

Bei mir waren es in der letzten Woche zum Beispiel die Jusos – die Jugendorganisation der SPD – in Castrop-Rauxel, die mich zum Gespräch und Austausch über die Parlamentsarbeit unter den seit einem Jahr veränderten Rahmenbedingungen eingeladen hatten.

Oder das intensive Gespräch mit Roman Franz, dem Vorsitzenden des Landesverbands der Sinti und Roma, den ich schon seit langem kenne und schätze. Dieses Gespräch haben wir – die Abgeordneten des Hauptausschusses und des Kulturausschusses – gemeinsam mit unserem Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty geführt. Neben dem Kennenlernen standen die Sorgen und aktuellen Beobachtungen des Landesverbands im Mittelpunkt. Vieles, von dem wir glaubten, es gehöre – Gott sei Dank – der Vergangenheit an, bahnt sich aber im Zusammenhang mit der steigenden Fremdenfeindlichkeit, dem offenen Antisemitismus und dem unverkennbaren Rechtsruck in unserer Gesellschaft wieder seinen Weg. Lasst uns gemeinsam politisch diesmal ganz rechtzeitig das Richtige tun.

Die Themen des Landesverbands der Sinti und Roma waren dann auch – naturgemäß in etwas anderer Form – die Themen der letzten Fraktionssitzung. Zum Teil als Rückblick auf die letzten Plenartage und dem, was dort – ganz offiziell aber auch informell – diskutiert wurde und sich ereignet hat, zum Teil als Berichte aus unseren Wahlkreisen. Zu Gast war übrigens der – damals noch designierte – Landesvorsitzende Sebastian Hartmann.

Einen Schulbesuch der ganz besonderen Art durfte ich am letzten Mittwoch in Lünen, im Wahlkreis meines lieben Kollegen und Freundes Rainer Schmeltzer erleben. Eingeladen hatte mich die Heinrich-Bußmann-Schule, eine Hauptschule, die als Schule ohne Rassismus ihrem Namensgeber, dem Widerstandskämpfer und Sozialdemokraten Heinrich Bußmann, der 1942 von den Nazis im KZ Dachau ermordet wurde, wirklich alle Ehren macht.

Ganz liebevoll und wertschätzend haben die Schülerinnen und Schüler ein Rahmenprogramm gestaltet, mit dem sie gezeigt haben, dass ihre Schule weit mehr als eine Bildungseinrichtung ist, nämlich ihre Heimat und zum Teil ihre Familie. Engagiert, motiviert und sehr jugendlich-authentisch haben sie gezeigt, wie Integration gelingen kann, was ein friedliches und respektvolles Miteinander bedeutet, und wie sehr Schule die Weichen für die Zukunft stellt. Im Fall der Heinrich-Bußmann-Schule eben Weichen in Richtung gute und chancengebende Zukunft.

Rainer und ich haben dort zwei jungen Frauen kennen gelernt, die erst seit drei Jahren in Deutschland leben, bereits perfekt Deutsch sprechen und lesen können, und jetzt in die Sekundarstufe II wechseln. Die eine, um Abitur zu machen, die andere um ein Fachabitur zu machen. Und ohne das Engagement der Heinrich-Bußmann-Schule wäre das nie gelungen. Danke, dass es Schulleitungen und Kollegien wie die der Heinrich-Bußmann-Schule gibt. Das macht Mut! Das gibt Hoffnung! Und es gibt auch die Kraft, die auch wir Abgeordnete oftmals brauchen. Wer sich für den Eindruck der Schule von diesem Tag mit Rainer und mir interessiert, der kann ja auf der Homepage der Schule selbst noch einmal alles Revue passieren lassen. Ich jedenfalls war restlos begeistert und sehr berührt.Und fest versprochen: wenn ich wiederkommen soll, dann tue ich das sehr , sehr gerne!

Eine ganz besondere Überraschung für die allermeisten Anwesenden war die Verleihung des „Kleinen Heinrich-Bußmann-Preises“. Die SPD in Lünen verleiht alle zwei Jahre den Heinrich-Bußmann-Preis, und daran anknüpfend ehrt die Schule einen Schüler, eine Schülerin, der oder die sich in ganz besonderer Weise für ihre Mitschüler und die Schulgemeinschaft einsetzen, die hilfsbereit und umsichtig Zivilcourage und Einsatz zeigen und die die Schule „reicher“ machen, mit dem so genannten kleinen „Heinrich-Bußmann-Preis“.

In diesem Jahr war es Luca, der vor lauter Erstaunen, Freude und gerührter Aufregung – weil er eben,bescheiden wie er ist, so gar nicht damit gerechnet hatte – kaum ein Wort sagen konnte. Spontan haben Rainer Schmeltzer und ich ihn dann auch noch eingeladen, uns noch vor den Sommerferien gemeinsam mit ein paar Freunden in Düsseldorf, im Landtag zu besuchen. Da fand er dann endgültig gar keine Worte mehr. Herzlichen Glückwunsch Luca!

Nach der Heinrich-Bußmann-Schule haben Rainer Schmeltzer und ich noch die Caritas-Werkstatt in Lünen besucht. Werkstätten finde ich ja schon lange faszinierend, weil man dort – so intensiv wie nirgendwo sonst – erleben kann, welch hohen Stellenwert Arbeit für Menschen hat. Wohlgemerkt nicht irgendeine Beschäftigung, sondern Arbeit. Und vor allem Arbeit als Teil eines Teams, als Teil einer Hand in Hand arbeitenden Gemeinschaft, deren Endprodukte man, also auch wir, fast überall finden kann. In Lünen haben es uns die verschiedenen Werkzeuge, Cutter-Messer und Isolier-Zangen angetan, die dort fachgerecht in Handarbeit zusammengesetzt wurden.

Darüber hinaus haben mich auch die Mosaiken, die im Rahmen der Vorbereitung auf die Eingliederung in einen Arbeitsprozess erstellt werden, um Konzentration und Feinmotorik zu stärken, fasziniert. Und auch das wunderschöne Blumenbeet ist Teil eines Projekt im Bereich der Garten- und Landschafts-Gruppe.

Mit Chancen geben, Selbstwertgefühl vermitteln, in die Gesellschaft integrieren, und deutlich machen, dass jeder Mensch wertvoll ist, gebraucht wird und seinen Arbeitsplatz finden kann, ging es gleich am Freitag weiter. Gemeinsam mit Karsten Rudolph habe ich die Produktionsschule in Bochum, in der Trägerschaft der Gewerkstatt, besucht. Doch leider wird sie nur noch bis zum Sommer existieren. Nach dem Regierungswechsel in Nordrhein-Westfalen hatte der Arbeits- und Sozialminister Laumann nämlich nichts besser zu tun, als genau dieses erfolgreiche Programm für Jugendliche und junge Erwachsene wieder abzuschaffen.

Die Gründe, die er dafür genannt hat, sind mehr als fragwürdig. Natürlich hat es Proteste und politisch-parlamentarische Debatten und Initiativen zur Rettung der Produktionsschulen gegeben. Aber, alles vergebens. Der Minister war keinem Argumenten zugänglich. Im Laufe der längeren politischen Debatte ist dafür aber mehr als offensichtlich geworden, dass er „sein“ eigenes politisches Programm des Werkstattjahrs auf Biegen und Brechen und wider alle guten Argumente für die Produktionsschulen erneut beleben will.

Sein Wille ebnet damit ab demnächst einen Weg, der viele andere Wege der Chancen für viele junge Erwachsene versperrt. Denn alleine vom ministeriellen Behaupten werden die Regelinstrumente der Arbeitsverwaltung eben noch lange nicht universell anwendbar. Und das Schlimmste, auch hier werden bei denen, die die zweite Chance so dringend benötigen, Mittel eingespart. Gerecht ist das nicht. Und sozial schon lange nicht.

Der Freitagabend und der Samstag standen für mich ganz im Zeichen der Sozialdemokratie. Der Stadtbezirk Bochum-Nord hat seine Jubilare geehrt, und unter anderem auch den Oberbürgermeister Thomas Geisel aus Düsseldorf dazu eingeladen. Kurzweilig hat er seine Vorstellungen von gelingender Kommunalpolitik an Rhein und Ruhr in Zeiten der Digitalisierung und der gesellschaftlichen Umbrüche beschrieben. Darauf aufbauend haben dann andere eingeladenen Gäste – wie Karsten Rudolph, Franz Müntefering und ich selbst – die verschiedenen Jubilare geehrt. Ich durfte die Jubilare des Ortsvereins Gerthe ehren, was mir – weil ich sie alle persönlich kenne – einen besondere Freude war.

Und zum Landesparteitag am Samstag brauche ich bestimmt fast gar nichts schreiben. Alles Wichtige und auch einige Unwichtige konnte man in allen Medien und auf allen Wegen der Öffentlichkeitsinformation verfolgen. Jetzt gibt es einen jungen, tatendurstigen und engagierten Landesvorstand mit Sebastian Hartmann und Nadja Lüders an der Spitze, den eindeutigen Auftrag des Parteitags, den eingeschlagenen Weg zu einem neuen, zeitgemäßen und zukunftsfesten Bildungskonzept fortzuführen, und natürlich viele weitere wichtige inhaltliche Beschlüsse.

Bochum war als gastgebende Stadt selbstverständlich bis zum Schluss gut vertreten, ich selbst wurde ins Sitzungspräsidium gewählt, und der Parteitag war am Ende dann doch noch so pünktlich zu Ende, dass diejenigen, die sich für Fußball interessieren, das Spiel Deutschland gegen Schweden anschauen konnten.

Was soll ich dazu sagen? Und damit es weder ein Missverständnis noch den Versuch, meinen Satz als Scherz auszulegen, gibt: ich meine jetzt nur das Fußballspiel und nicht etwa meine Partei.

Also: Gut, dass es noch einmal gut gegangen ist. Und das zweite Tor war einfach grandios! Kroos-artig so zu sagen! Viel Glück für Mittwoch und liebe National-Elf lasst uns bitte nicht zu lange zittern und bangen. Immerhin sind wir der amtierende Weltmeister! Also, haut rein und denkt daran: das Runde muss ins Eckige. Und zwar mindestens einmal mehr beim Gegner als auf der eigenen Seite. Viel Glück für Mittwoch!