Bräute im Landtag, Josef-Neuberger-Medaille und „Schnick-Schnack-Schnuck“ mit der Kanzlerin? – der neue Wochenbericht ist online

Drei Tage Plenum, und doch will ich nicht wirklich viel von den Plenartagen selbst berichten. Das ein oder andere kann man in unserem Bochumer Newsletter oder auf der Homepage des Landtags nachlesen, und auch die Medien haben bereits ein wenig berichtet. Die öffentlich alles bestimmenden Themen waren die Frage, wie es im Hambacher Forst nach dem Gerichtsurteil zum Rodungsstopp weitergeht und die Debatte zum Tod eines Asylsuchenden in der JVA Kleve. Parlamentsintern haben noch ein paar andere Themen eine größere Rolle gespielt – unter anderem die Debatte zum Demokratiefördergesetz oder die Beantragung einer Enquetekommission zur Zukunft der Parlamentarischen Demokratie – aber darüber berichten die Medien ja nicht immer.

Worüber die Medien aber berichtet haben, weil es wirklich recht spektakulär war, das waren die über 30 Bräute, die den Landtag am Mittwoch besucht haben. Natürlich waren es nicht wirklich Bräute, sondern Schülerinnen des  Sophie-Scholl-Berufskollegs und des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums aus Duisburg, die mit dieser Aktion auf die Situation in Duisburg-Marxloh aufmerksam machen wollten.

Respekt, Toleranz, Integration und Made in Marxloh – so lauteten ihre Botschaften, die sie in die Welt, besser gesagt in den Landtag von Nordrhein-Westfalen tragen wollten. Was ihnen auch echt gut gelungen ist. Zumal es darum ging, Marxloh als Stadtteil, in dem es fröhlich, kreativ, spannend und vielfältig zugeht, darzustellen. Die Schülerinnen sind es einfach leid, dass der Stadtteil, den sie mögen, in dem sie zur Schule gehen, in dem sie ihre Freunde haben, immer als Symbol für einen äußerst problematischen Stadtteil angesehen wird. Es gibt auch ein anderes Marxloh, lautet ihre Devise. Womit sie recht haben.

Mein Duisburger Kollegen Frank Börner, mit dem ich in den letzten Jahren schon häufiger in Duisburg-Marxloh unterwegs war, hatte die „Bräute“ in den Landtag eingeladen. Wir haben mit ihnen diskutiert, ihnen den Landtag gezeigt, für unzählige Fotos und noch mehr Fragen zur Verfügung gestanden, und eine kurze Begegnung mit dem Landtagspräsidenten arrangiert. Dort haben die Schülerinnen sehr deutlich klargemacht, dass sie politisch interessiert, informiert und engagiert sind. Wer weiß, vielleicht haben wir die ein oder andere zukünftige Politikerin erlebt?!

Mein absoluter Höhepunkt der letzten Woche fand am Donnerstagabend, nach Plenumsende, in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf statt. Dort wurde mir die Josef-Neuberger-Medaille verliehen. Diese Medaille ist die höchste Auszeichnung, die die jüdische Gemeinde Düsseldorf an nichtjüdische Personen oder Institutionen vergibt, die sich um die jüdische Gemeinschaft besonders verdient gemacht haben. Gemeinsam mit mir wurde auch Professor Dr. Jochen Lüdicke aus Düsseldorf ausgezeichnet.

Die Laudation auf mich hielt Thomas Geisel, der Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf, der mich in einer Mischung aus persönlicher und politischer Würdigung – vielen Dank für die schönen und bewegenden Worte – unter anderem als Brückenbauerin bezeichnet hat.

Meine eigene Rede war mehr als nur ein von Herzen kommendes Dankeschön. In Zeiten wie unseren muss man einfach an die Wachsamkeit und die Bereitschaft, sich gegen jede Form von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz zu wehren, appellieren. Wie sehr ich damit die Herzen der mehr als 400 Gäste erreicht habe, kann man vielleicht daran festmachen, dass es zum Ende meiner Rede Standing Ovations gegeben hat. So lange ich die Verleihung der Josef-Neuberger-Medaille besuche, und das ist jetzt auch schon ein paar Jahre, hat es das noch nie gegeben. Dass mir darufhin die Tränen in den Augen standen und ich mehr als gerührt war, kann man sicherlich nachvollziehen.

Insgesamt verstehe ich die Josef-Neuberger-Medaille aber nicht nur als Auszeichnung, sondern noch viel mehr als Verpflichtung, genauso intensiv, aber auch noch stärker als bisher weiterzuarbeiten. Wachsam, aufmerksam, klar positioniert, um mutig und laut immer dann die Stimme zu erheben, wenn es sein muss. Und ich fürchte, es muss häufig sein.

Am Ende des Wochenberichts will ich an den Anfang der letzten Woche zurückkommen. Am Montag habe ich nämlich nicht nur einen wunderbaren Schulbesuch in der Grundschule in Bünde-Bustedt erlebt, sondern mit meiner Kollegin Angela Lück auch noch das Mehrgenerationenhaus Waldschlösschen in Bünde, das kein Wohnprojekt ist, sondern als Begegnungszentrum arbeitet, besucht.

Und abends habe ich dann in Bochum bei der Veranstaltung  des Geonetzwerkes MetropoleRuhr als Laudatorin für die preisgekrönten Schulen des Wettbewerbs GeoAwardRuhr mitwirken dürfen.

Wurde ich morgens noch gefragt, ob ich mit der Bundeskanzlerin schon einmal „Schnick-Schnack-Schnuck“ gespielt hätte, konnte ich abends die Projekte der Schülerinnen und Schüler und die Begründung der Jury für die jeweiligen Preisvergaben darstellen.

Abwechslungsreicher und unterschiedlicher kann ein Tag im Leben einer Abgeordneten fast gar nicht sein.