Sonntagabend – Zeit für vieles, aber auch für meinen Wochenbericht

Der Blick in unseren Garten auf den mittlerweile wunderbar rot gefärbten Ahorn macht deutlich: der Herbst ist bereits in vollem Gang und der Winter steht auch schon vor der Tür. Damit ist es an der Zeit, über ein paar Veranstaltungen zu berichten, die Jahr für Jahr in genau dieser Jahreszeit stattfinden.

Zum Beispiel: der Türkische Nationalfeiertag am 29. Oktober. Als Vizepräsidentin und Vorsitzende der Parlamentariergruppe NRW-Türkei besuche ich die verschiedenen Veranstaltungen in Düsseldorf, Essen oder auch Köln bereits seit vielen Jahren. Meistens habe ich dann auch – für den Landtag und als Gruß des Parlaments – eine kleine Rede gehalten. So auch in diesem Jahr.

Mein Besuch, und auch die Teilnahme des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Thomas Geisel, wurden durchaus als Zeichen, dass man gerade in politisch schwierigen Zeiten miteinander im Gespräch bleiben muss, verstanden. Das war mir auch wichtig, bei aller Unterschiedlichkeit in der Bewertung der gegenwärtigen innenpolitischen Entwicklungen in der Türkei. Denn nicht mehr miteinander im Gespräch zu bleiben, hilft Niemandem. Wenn man Situationen unterschiedlich bewertet, wenn man mit westlicher Sozialisation, Presse- und Meinungsfreiheit in Gefahr sieht, dann muss man darüber miteinander reden.

So habe ich meine diesjährige Rede auch angelegt. So wurde meine Ansprache, die natürlich freundlich und höflich, aber klar in der (politischen) Aussage war, dann auch aufgenommen. Da sie ins Türkische übersetzt während meiner Ansprache für alle nachlesbar gezeigt wurde, hat sie auch jeder im Saal hören und verstehen können. Auf die Reaktionen war ich bereits vorher schon sehr gespannt. Und, sie ließen auch nicht lange auf sich warten. Wie erwartet, fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. Aber, was mich gefreut hat, es gab durchaus auch einige zustimmende Reaktionen. Was bei einem überwiegend türkischen oder türkeistämmigen Publikum nicht unbedingt zu erwarten war. Wie gesagt, man muss im Gespräch miteinander bleiben. Gerade in schwierigen Zeiten.

Mich selbst hat am meisten gefreut und berührt, dass ich Familie Genc aus Solingen, die ich seit einigen Jahren persönlich kenne, wieder gesehen habe. Diese großartigen Menschen zu treffen, mit ihnen zu reden, ist immer ein besonderer Moment.

Der Herbst ist immer auch der Zeitpunkt, an dem die neue Show von Urbanatix in der Bochumer Jahrhunderthalle aufgeführt wird. Urbanatix war ursprünglich ein Projekt im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres Ruhr 2010.

Dass es seit dem bis heute, mit steigendem Erfolg und Zuschauerzahlen, einen Siegeszug durch halb Europa angetreten hat, konnte damals wirklich Niemand ahnen. Jahr für Jahr bin ich mehr als geflasht, dass es immer noch eine Steigerung geben kann. Aber es ist so. Und was soll ich sagen? Die neue Show ist einfach mega!! Wer sie noch sehen will, muss sich allerdings beeilen, denn Urbanatix wird ja nur gut 14 Tage aufgeführt. Wenn man die verpasst, muss man halt wieder ein ganzes Jahr warten. Also, nichts wie hin zur Jahrhunderthalle. Es lohnt sich! Echt!

Im Herbst ehren auch viele SPD-Ortsvereine oder Unterbezirke verdiente Mitglieder für lange Jahre der Parteimitgliedschaft. Wir selbst, im SPD Stadtbezirk Bochum Ost, haben das ja bereits Anfang Oktober getan. Die SPD in Solingen hatte mich am Samstag als Festrednerin eingeladen. Eine – bei den aktuellen Entwicklungen und politischen Konstellationen – keine ganz einfache Aufgabe. Zumal die SPD in Solingen Frauen und Männer für unglaubliche 60, 65 und sogar 70 Jahre Mitgliedschaft in der SPD ehren konnte. Das alleine war schon sehr faszinierend und hat jeden im Saal besonders beeindruckt.

Dass diese Genossinnen und Genossen, die natürlich auch auf viele Lebensjahre zurückblicken können, auch heute noch richtig politisch aktiv sind, und zu Versammlungen kommen und dort ihr Wort machen, war eine wichtige und motivierende Erfahrung für alle im Raum. Gerade in diesen für die Sozialdemokratie schwierigen Zeiten sind die Jubilare ein besonderes Vorbild.

Die Zustimmung der ältesten Genossin, Aenne Franz, die wir für stolze 70 Jahre SPD-Mitgliedschaft geehrt haben, zu meiner Festrede hat mir gezeigt, dass ich nicht nur den richtigen Ton, sondern offensichtlich auch die richtigen Worte gefunden habe. Danke und herzlichen Glückwunsch an alle Jubilare. Gefeiert wurde übrigens mit Blick auf die beeindruckende Müngstener Brücke, und ein Tenor aus Georgien hat unter anderem „bella ciao“ vorgetragen. Alles in allem eine Jubilarehrung, die die Jubilare würdigend in den Mittelpunkt gestellt hat.

Mit einem weiteren Bild will ich zum Abschluss noch berichten, dass ich am Mittwoch nacheinander in sechs (!) Klassen der Matthias-Claudius-Gesamtschule in Bochum zu Gast war. Im Rahmen der Aktion „Schenken Sie uns eine Schulstunde Ihrer Zeit“ der Schulen in freier Trägerschaft unter Federführung des Verbands Deutscher Privatschulen e.V. habe ich mir die MCS bei uns in Bochum ausgesucht. Und der Schulleiter, Herr Trust, hat aus der einen gleich sechs Stunden gemacht.

Auch wenn es am Schluss – nur für die Stimmbänder – etwas anstrengend war, es hat riesig Spaß gemacht! In allen Klassen – immerhin eine Spannbreite von Klasse 5 bis 13 – haben wir vor allem über Demokratie, Politik und die Erwartungen der Schülerinnen und Schüler an die Politik gesprochen. Mein Fazit: tolle Schüler, eine wirklich beeindruckende und durch und durch inklusiv arbeitende Schule, und ein superengagiertes Kollegium. So sollte Schule immer sein! Aber, das weiß ich im Hinblick auf die Matthias-Claudius-Schule schon ganz lange.

Übrigens ist die MCS auch die Schule, in der zwei meiner Enkel unterrichtet werden. Obwohl ich in Klasse 7 war, habe ich Louis nicht getroffen. Ich war – Zufall oder Planung von Herrn Trust (?) – in seiner Parallelklasse. Aber natürlich habe ich Schülerinnen und Schüler getroffen, die ihn und auch seinen Bruder Tino, der seit letztem Jahr die Grundschule besucht, kennen. Das fanden die Klassenkameraden mindestens genauso spannend wie ich.

Am Samstagabend habe ich, und damit endet der Wochenbericht dann auch wirklich, zum ersten Mal den jetzt auch schon traditionellen Countryabend des Knappenvereins St. Barbara Langendreer-Werne besucht. Asche auf mein Haupt, aber in all den Jahren zuvor hat es terminlich immer irgendwie einfach nicht gepasst. Aber in diesem Jahr dann schon.

Und was soll ich sagen? Es war einfach klasse! Da ich Countrymusik schon sehr lange mag, habe ich mich musikalisch von Beginn an „zu Hause“ gefühlt. Das ein oder andere Lied konnte ich – zugegebenermaßen nicht ganz komplett textsicher – sogar mitsingen.

Und die Linedancer haben mich mehr als fasziniert. Ob das vielleicht auch etwas für mich wäre? Mal sehen!