November – ein Monat der Widersprüche und ganz unterschiedlichen Gefühlen

Jetzt könnte ich mein Herz über die Telekom ausschütten, ihren Kundendienst, ihre Informationspolitik, die zumindest in unserem Fall fragwürdig war, ihr Bemühen, Probleme zu lösen oder zu vertagen …. Oder ich könnte darüber berichten, wie sehr man Abhängigkeiten, Hilflosigkeit und sogar das Gefühl der Ohnmacht spürt, wenn man auf einmal – ohne Grund und Erklärung des Warums – ohne WLAN dasteht, und plötzlich einfach nichts, im wahrsten Sinne des Wortes nichts, mehr funktioniert. Kein Netz, kein TV, kein Telefon, kein netzgesteuertes Gerät im Haus … Aber all das will ich gar nicht tun, denn täte ich es, würde aus dem heutigen Wochenbericht sicherlich ein Roman. Vielleicht sogar ein Fortsetzungsroman, was ich aber jetzt, wo wie von Geisterhand alles wieder funktioniert, nicht hoffe. So viel dann zum Thema „Sie haben ein Leitungsproblem, das man nur vor Ort prüfen und reparieren kann“. Offensichtlich war es doch ein Softwareproblem der Telekom. Doch, Schwamm drüber. Es funktioniert ja alles wieder.

Statt meinen Ärger zu wiederholen, will ich euch viel lieber in ein paar Bildern zeigen, was in der letzten Woche im Leben eurer Abgeordneten geschehen ist.

Der Start in die Woche war die Fraktionsklausur der SPD-Landtagsfraktion in Brühl. Lange, intensive und aufschlussreiche Diskussionen, natürlich auch zur aktuellen Situation der SPD, aber nicht nur dazu. Die Presse hat unseren Beschluss, die Straßenausbaubeiträge abzuschaffen, aufgegriffen. Und natürlich einige der Positionen und Perspektiven zur Zukunftsfähigkeit der SPD, die Thomas Kutschaty zur Diskussion gestellt hatte. Fotos, nein Fotos gibt es von dieser internen Veranstaltung nicht.

Dafür aber Fotos von der Landtagsveranstaltung „100 Jahre Tarifautonomie“, und von den Gruppen- und Stämmeleitern der Pfadfinder Bochum, die mich in Düsseldorf besucht haben und mit denen ich mich lange über Demokratie und deren Stärkung ausgetauscht habe. Die Fortsetzung unseres Gesprächs, ob in Bochum oder wieder in Düsseldorf, ist bereits geplant.

Der Landtagpräsident hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach und nach viele wichtige Multiplikatoren nach Düsseldorf einzuladen. In der letzten Woche hatte er zum Beispiel der Bürgermeister und Oberbürgermeister aus den Regierungsbezirken Arnsberg und Detmold eingeladen. Da Arnsberg „mein“ Regierungsbezirk ist, und ich viele der Bürgermeister kenne, habe ich an diesem Informationsbesuch teilgenommen.  Fällt euch bei dem Bild aus dem Plenarsaal eigentlich etwas auf?

Ja! Man könnte es als Gruppenbild mit Dame bezeichnen. Wobei ich die „Dame“ bin. Leider ist gerade in dem Jahr, in dem wir 100 Jahre Frauenwahlrecht feiern, der Anteil von Frauen in politischen Spitzenfunktionen und Positionen sehr, sehr gering. Da waren wir schon einmal weiter. Das Foto aus dem Plenarsaal sollte und muss Anlass zum Nachdenken sein.

Die nächsten Fotos sind bei einem Besuch des Fraktionsvorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion Thomas Kutschaty in Bochum entstanden. Wir – die drei Bochumer Landtagsabgeordneten Dr. Karsten Rudolph, Serdar Yüksel und ich – haben ihn erst zu einem Gespräch mit Vertretern des Vorstands der Kreishandwerkerschaft Ruhr eingeladen. Vielen Dank an den Kreishandwerksmeister Michael Mauer für den intensiven und anregenden Austausch, zu dem wir eine Fortsetzung im nächsten Jahr verabredet haben.

Danach durften wir die Räume des Kreishandwerkerschaft für einen Austausch mit den Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern der Bochumer SPD nutzen. Von der Energie-, Umweltschutz- und Klimapolitik bis zum Kommunalwahlgesetz, von der Inklusion, über die Talentschulen bis zum Kitarettungsgesetz, haben wir diskutiert, und auch die Anforderungen an eine zeitgemäße Arbeitsmarkt- und Rentenpolitik spielten eine nicht geringe Rolle.

Die nächsten Fotos zeigen die Bochumer Veranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht vor 80 Jahren. Bereits am Vormittag habe ich – wie in all den Jahren zuvor – in Düsseldorf an der stillem Kranzniederlegung am Platz der ehemaligen Synagoge, und später an der Gedenkveranstaltung, die in diesem Jahr im Plenarsaal und nicht im Rathaus der Landeshauptstadt stattgefunden hat, teilgenommen.

Der 9. November ist Jahr für Jahr ein Tag voller Widersprüche und ganz unterschiedlicher Gefühle. Da ist der 9. November 1918, der Tag an dem Phillip Scheidemann die Weimarer Republik ausgerufen und damit Demokratiegeschichte geschrieben hat. Da ist der 9. November 1923, an dem die junge Demokratie sich erfolgreich gegen Hitler gewehrt hat und der Putschversuch scheiterte.

Da ist aber wenige Jahre später der 9. November 1938. Die Nacht in der Synagogen brannten, in der systematisch Plünderungen und Verwüstungen von jüdische Geschäfte, Einrichtungen und Privathäuser stattgefunden haben. Die Nacht in der Juden unfassbare Gewalt, Schmähung, Haft, Folter, Vertreibung erleiden mussten. Die Nacht, in der die Menschlichkeit vielfach der Unmenschlichkeit gewichen ist, und viel mehr Juden als wir bisher angenommen haben durch die Brutalität der Nazis gestorben sind. Der 9. November 1938 markiert den Übergang von der sozialen Ausgrenzung und Diskriminierung zur offenen Verfolgung, Deportation und Ermordung der Juden. Ein Tag, der gerade für uns in der SPD Mahn-, Gedenk- und Erinnerungstag ist.

Und zugleich ist der 9. November der Tag, an dem im Jahr 1989 die innerdeutsche Mauer fiel und der Traum unzähliger Menschen und Generationen auf Wiedervereinigung auf einmal zum Greifen nah war. Damit wurde der 9. November 1989 zum Tag der großen Freude und unfassbaren deutschen Geschichtswende.

Der 9. November, ein Erinnerungstag in der deutschen Geschichte, wie er wirklich widersprüchlicher kaum sein könnte.

Und wie das im November immer so ist, traurige, ernste und anrührende Erinnerungen und Veranstaltungen wechseln sich mit völlig anderen, zum Teil sehr fröhlichen und vor Lebensfreude überschäumenden Terminen ab.

Da war am Samstag die Einweihung des Fliednerheims, der neuen – wirklich neu gebauten (!) – Notschlafstelle, der Übernachtungsstelle für wohnungslose Menschen. Schon etwas Besonderes und recht einmaliges, dass in einer Stadt für wohnungslose Menschen neu gebaut wird. Kein Wunder also, dass die Einweihung, in der Reden gehalten wurden, die sehr nachdenklich gemacht haben, richtig gut besucht war. Die Zahlen am Fliednerheim haben übrigens nichts mit dem Heim, sondern ganz viel mit seinem unmittelbaren Nachbarn, dem VfL Bochum zu tun. Was im einzelnen die Jahreszahlen bedeuten, kann man in der Vereinschronik nachschlagen. Oder mich fragen.

Und abends waren Heinz-Martin und ich Gäste auf gleich zwei privaten Geburtstagsfeiern, natürlich nacheinander. Bei der zweiten gab es sogar Livemusik zum Mitsingen, tanzen oder einfach nur Zuhören. Noch einmal herzlichen Glückwunsch an Reiner und Oliver. Dem einen gratulieren wir zum 70. Geburtstag, dem anderen zum 50. Alles Gute für das neue Lebensjahr!

Den Abschluss des heutigen Wochenberichts macht, wie könnte es anders sein, der Karnevalsauftakt. Helau, Alaaf und Bochum Man tau! Am 11.11. eines jeden Jahres fällt ja bekanntlich der Startschuss in die neue Karnevalssession. Auch bei uns in Bochum. Jawohl! denn Karneval können wir echt gut in Bochum feiern.

Und der Sessionsauftakt war richtig klasse. Der Festausschuss Bochumer Karneval und unsere aktiven Bochumer Karnevalsvereine haben wieder alles aufgeboten, was den Bochumer Karneval fröhlich, bunt und attraktiv macht. Nein, wir sind nicht Köln oder Düsseldorf. Aber, wir sind das Ruhrgebiet, und innerhalb des Ruhrgebiets wirklich mehr als toll.

Unser weibliches Dreigestirn geht erneut an den Start, sprich in eine zweite Session. Danke dafür! Unsere Stadtgarde – ein Zusammenschluss der jungen Tänzerinnen und Tänzer aus verschiedenen Bochumer Vereinen – ist nicht nur größer, sondern noch viel, viel besser als in den letzten Jahren geworden. Macht Spaß euch zuzuschauen! Weiter so! Und ein neunjähriges hochprofessionelles Tanzmariechen, das die Menschen zu Begeisterungsstürmen animiert, haben wir auch noch nicht gehabt. Da waren die weiteren Sänger, Tanzgruppen, Büttenredner und die Besuche der Prinzenpaare aus Wattenscheid und Hattingen fast schon Karnevals-Routine. Aber, eben nur fast.

Wie man sieht hatten meine Bezirksbürgermeisterin Andrea Busche aus dem Bochumer Osten, der Bezirksbürgermeister aus dem Bochumer Südwesten Marc Gräf und ich echt viel Spaß. Man wird uns ganz bestimmt häufig in dieser Session im Bochumer Karneval treffen, denn Karneval macht uns – wie gesagt – echt Spaß. In diesem Sinne: Bochum Man tau und Wattsche helau!