Advent, Advent – die dritte Kerze brennt …

Nun sind es wirklich nur noch ein paar wenige Tage bis Weihnachten. Die letzten Geschenke müssen besorgt, ein Tannenbaum ausgesucht, Weihnachtsgrüße verschickt, weihnachtliche To-Do-Listen erstellt, das Weihnachtsessen überlegt, vielleicht noch ein paar Lieblingsplätzchen gebacken, auf jeden Fall aber müssen die letzte Dinge, die nicht bis ins neue Jahr warten können, erledigt werden.

Dem Landtag ging es übrigens nicht großartig anders. In den letzten Plenartagen dieses Jahres wurde nicht nur der Landeshaushalt 2019 verabschiedet, sondern jede Menge Gesetzesänderungen und Gesetze mussten abschließend beraten werden, und interessante – weil politisch sehr aufschlussreiche – politische Debatten hat es auch noch gegeben. Natürlich haben das Polizeigesetz und der Digitalpakt, dem die Länder im Bundesrat am Freitag nicht zugestimmt haben, bei uns in Düsseldorf eine zentrale Rolle eingenommen. Zumal ja die Regierungskoalitionen nicht einig sind. Interessant und echt spannend, wie klar und deutlich sich die FDP – sogar die zuständige Bildungsministerin – letztlich auch pro Grundgesetzänderung geäußert haben, zumindest für diejenigen, die richtig zugehört haben.

Aber rund um die inhaltliche Arbeit hat es natürlich auch noch jede Menge anderer Dinge gegeben. Zum Beispiel eine Ausstellungseröffnung zur Unterstützung der Arbeit in Ghana, eine Besuchergruppe der VHS Bochum, den Nikolaus, der wie immer in der fair gehandelten Schokoladenausführung die Abgeordneten erfreut hat, die Weihnachtsandacht, die uns wieder in den letzten Plenartag begleitet hat …

Am Ende waren wir alle ein wenig froh, dass dieses anstrengende und schwierige politische Jahr zumindest im Hinblick auf die Parlamentswochen nun auch zu Ende gegangen ist. Versöhnliche und friedliche Worte zum Abschluss des zweiten Plenartages haben uns dann in die vorweihnachtliche letzte Woche, die die meisten Abgeordneten mit vielen Terminen in ihren Wahlkreisen füllen werden, verabschiedet.

Für uns Bochumer hatte die Fußballwoche leider wieder einmal mit einer Heimniederlage unseres VfLs begonnen. Dabei war die Stimmung riesig und das Stadion für einen Montagabend super voll. Aber, trotz Bergleute, Knappenvereinen – wegen des Endes des Steinkohlebergbaus – und einer Fankulisse, wie sie besser und schöner kaum hätte sein können: es hat nicht gereicht. Leider! St. Pauli war nicht unbedingt stärker, hat aber eben die Tore geschossen. Und leider ist es uns am Samstag in Berlin auch nicht gelungen, diese Scharte auszuwetzen. Schade, schade!

Um so schöner war dann die Verleihung des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen am Samstagnachmittag in Aachen an neun Persönlichkeiten, die es wirklich verdient haben, dass man ihnen für ihr ehrenamtliches Engagement dankt. Bei Albert Ritter, meinem Schausteller-Freund und dem Vorsitzenden des DSB und der europäischen Schaustellerunion, bei Otto Rehhagel, dem Ausnahmetrainer – beide übrigens aus unserer Nachbarstadt Essen, oder dem Gewerkschafter und früheren Gesamtbetriebsratsvorsitzenden der RAG, Ludwig Ladzinski, fragt man sich sogar, warum sie den Orden nicht längst schon bekommen haben.

Der Landesorden wurde in Aachen verliehen, weil im Anschluss das traditionelle Adventskonzert der Landesregierung in Kooperation mit dem WDR aus dem Aachener Dom übertragen wurde. Auf dem Weg dorthin haben Albert Ritter und ich noch einen kurzen Abstecher zum Aachener Schausteller-Präsidenten unternommen. Begleitet hat uns sein Stellvertreter, der quasi als Aachener „Abordnung“ zur Ordensverleihung geschickt worden war.

Doch zurück zum Adventskonzert und der Live-Übertragung aus dem Dom. Während der TV-Übertragung – wer es versäumt hat, es wird in allen Regionalfenstern des WDR noch einmal übertragen, ist aber auch in der Mediathek abrufbar – darf man leider nicht fotografieren, was ok ist. Daher gibt es heute nur Fotos von unmittelbar vor der Übertragung. Man darf aber auch nicht klatschen, was ich zwar verstehe – die TV-Zeiten sind eben knapp bemessen – aber schön ist das nicht, überhaupt nicht, denn es war wieder fulminant. Danke dafür!

Bereits einen Abend vorher, also am Freitag war ich genauso beeindruckt, diesmal aber von sportlichen Leistungen im Hochleistungssport,  einem sportlichen Unterhaltungsprogramm vom Feinsten, und auch von der Westfalenhalle.

In Dortmund, in der festlich geschmückten und völlig veränderten Westfalenhalle, wurde nämlich der Felix, der Sportaward in Nordrhein-Westfalen, vergeben. Bis auf wenige Ausnahmen wird der Gewinner, die Gewinnerin des jeweiligen Felix per Online-Voting der Nordrhein-Westfalen ermittelt. Auch ein sehr bemerkenswertes Vorgehen, weil sicherlich beim sportinteressierten Publikum, das im Vorfeld votet, nicht die sportliche Leistung ganz alleine entscheidet. Gratulation an alle Felix-Preisträgerinnen und Preisträger, und an die Westfalenhalle, die wieder einmal gezeigt hat, was in ihr steckt.

Und der absolute Höhepunkt der Woche fand heute – am Sonntag – beim ersten Schnee dieses Winters statt. Mit einem fröhlichen Umzug, trotz Schneefall und lausiger Kälte, haben wir die erste für unsere Synagogengemeinde angefertigte Thora-Rolle von der Bochumer Innenstadt zur Synagoge begleitet. Dort wurden unter viel Beifall die letzten Buchstaben von Vertretern der jüdischen Gemeinde, dem Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, dem früheren Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer, und einigen weiteren ausgewählten Ehrengästen geschrieben.

Die Thora-Rolle, die unter ganz strengen Auflagen erstellt werden muss und an der ein ganz speziell dafür ausgebildeter Schreiber fast ein Jahr gearbeitet hat, war das Geschenk des Freundeskreises Bochumer Synagoge zum 10-jährigem Bestehen der Synagoge in Bochum im letzten Jahr. Die mehr als 30.000 Euro, die dafür aufgebracht werden mussten, haben wir durch viele kleinere und etwas größere Spenden zusammengetragen. Und heute wurde nun die Thora-Rolle ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben. Nachdem sie endgültig fertiggestellt war, haben wir sie in den Synagogenraum gebracht und mit einer wunderschönen jüdischen religiösen Feier an ihrer endgültigen Heimstätte begrüßt.

Es war mehr als bewegend. Und einen herzlichen Dank an Abraham Lehrer, der so klare Worte zur Demokratie, zum Rechtsruck in unserer Gesellschaft, zur Gefahr, die von einer Partei in Deutschland ausgeht, gefunden hat, wie man sie nicht oft hört. Der Ort und der Anlass waren der richtige, das zu tun. Danke dafür!