Ergreifende Geschichtsstunde im Zellentrakt: Landtags-Vizepräsidentin Carina Gödecke besucht Herford

Carina Gödecke hat schon viele Gedenkstätten besucht, aber den Zellentrakt in Herford kannte sie bisher noch nicht. Auf Einladung des SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm nahm sich die Landtags-Vizepräsidentin Zeit für Herforder Projekte.

Zunächst lud Dahm seinen Gast in die Kreishauskantine ein. Dort wurde das Mittagessen mit dem informativen Austausch verbunden. Die Kreishauskantine wird vom Inklusionsbetrieb LKS betrieben, bei dem zirka die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Menschen mit Behinderung sind.

Der Inklusionsbetrieb betreibt keine Werbung für sich und seine Arbeit, sondern lässt sich durch „Mundpropaganda“ empfehlen. Was auch ganz gut klappt: Acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen nicht nur die Angestellten der Kreisverwaltung, sondern auch Kitas im Kreis. „Wir lassen uns weiter reichen“, erklärt Geschäftsführerin Monika Zimmermann. Zudem bietet das Unternehmen Ausbildungsplätze auch für psychisch kranke und behinderte Menschen an. „Die Anforderungen sind dabei genauso hoch, wie bei anderen Gastrobetrieben“, betont Zimmermann. Allerdings dauert eine Ausbildung zum Fachpraktiker Küche (früher Beikoch) vier Jahre und ist theoriereduziert. LKS arbeitet eng mit Förderschulen, Jobcenter und Co zusammen, um geeignetes Personal zu finden. Unterstützt wird der Betrieb u.a. durch Mittel der Stiftung Wohlfahrtspflege und der Aktion Mensch.

Beim anschließenden Ortswechsel wurde es geschichtlich: Für Carina Gödecke, die sich im Hauptausschuss des Landtags auch mit Themen wie Demokratie, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Mauerfall beschäftigt, zwar ein bekanntes Thema, aber ein noch unbekannter Ort.

„Ich habe in den letzten Jahren schon viele Gedenkstätten und Erinnerungsorte besucht, aber diese in Herford habe ich noch nicht gesehen.“

Dahm und Gödecke wurden von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Kuratoriums „Erinnern Forschen Gedenken“ durch den Herforder Zellentrakt geführt.

In der NS-Zeit wurden im Zellentrakt durch Kriminalpolizei und GESTAPO meist ohne gesetzliche Grundlage Angehörige der verfolgten Minderheiten eingesperrt. Nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurden hier zahlreiche Juden eingesperrt, um danach ins KZ Buchenwald transportiert zu werden.

„Das gab’s eben nicht nur in Berlin und den anderen großen Städten, sondern auch hier bei uns in Herford“, so Stadtarchivar Christoph Laue, der auch die derzeitige Kunstausstellung zeigte.

„Fast 4000 Besucher haben wir jährlich hier im Zellentrakt. Meinst sind es Schulklassen, die sogar von weiter her kommen und sich unter anderem die noch originalen Beschriftungen an den damaligen Zellentüren anschauen können.“

Eine ergreifende Geschichtsstunde, die durch einen Besuch der Ausstellung „erfasst, verfolgt, vernichtet“ im Kreishaus und der Dauerausstellung zur Familie Elsbach im Elsbach-Haus abgerundet wurde.

Unabhängig von Ihren Nachmittagsterminen, feierte Carina Gödecke am Morgen im Friedrich-List-Berufskolleg noch ein kleines Heimspiel: Die erste Vizepräsidentin ist gelernte Lehrerin und referierte vor Schülern der Oberstufe zum Thema „Landtag macht Schule.“ Den Schülerinnen und Schülern wird bei diesem Projekt die Arbeit des Landtags näher gebracht. Im lockeren Gespräch erzählte die Bochumerin alles über die parlamentarischen Abläufe. Die jungen Leute erfuhren aber auch ein wenig Privates von der Landtagsabgeordneten.

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