Kundgebung „Solidarität mit Israel. Gegen jeden Antisemitismus.“ – Meine Rede am 21. Mai 2021 in Düsseldorf

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Düsseldorf und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf luden zur Kundgebung „Solidarität mit Israel. Gegen jeden Antisemitismus.“ am 21.05.2021 ein. Neben zahlreichen Redner:innen aus Politik und Zivilgesellschaft durfte auch ich dort reden. Hier können Sie meine Rede im Wortlaut nachlesen: 

Rede im Wortlaut

Liebe Freundinnen und Freunde,
Herr Oberbürgermeister, Herr Brachthäuser, Herr Fricke,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

  • Ich stehe hier als Vertreterin des Landtags NRW. Dort haben gestern die vier demokratischen Parteien gemeinsam und in großer Eindringlichkeit jede Form von Antisemitismus verurteilt. Wir haben zugleich unseren jüdischen Freundinnen und Freunden und Israel unsere uneingeschränkte Solidarität ausgesprochen.
  • Ich stehe hier als Vizepräsidentin, die seit langer Zeit in engem und freundschaftlichem Kontakt und Austausch mit jüdischen Gemeinden und Landesverbänden steht. Ein besonderer Kontakt, aus dem nicht nur ein tiefes Verständnis, sondern großes wechselseitiges Vertrauen und wirkliche Freundschaft gewachsen sind.
  • Ich stehe hier als diejenige, die häufig im Rathaus bei den gemeinsamen Gedenkveranstaltungen der Landeshauptstadt, des Landestags und der Landesregierung zum 9. November, also zur Reichspogromnacht mit all ihren Grausamkeiten und unübersehbaren Barbareien, für den Landtag geredet hat, und dabei -manchmal auch sehr spontan – mit hohem Einfühlungsvermögen und Sensibilität auf aktuelle Ereignisse und Äußerungen in Deutschland, in der Welt, aber auch bei uns im Landtag reagieren musste.
  • Ich stehe hier, weil meine Eltern – Jahrgang 1927 und 1929 -als Kinder und Jugendliche die grausame, menschenverachtende Fratze des Antisemitismus und seine mörderischen Folgen selbst erleben mussten, und meinem Bruder und mir genau deshalb von Klein an das genaue Hinsehen und das Mundaufmachen beigebracht haben. „Nie wieder“ war und ist daher für mich keine leere politische Aussage, sondern meine tiefste Überzeugung und das schon seit Kindheit.
  • Ich stehe hier, weil ich weiß, dass „Nie wieder“ im kollektiven Bewusstsein der Jüdinnen und Juden etwas anderes bedeutet als mein „Nie wieder“, das den Blick auf die dunkelste Zeit deutscher Geschichte beinhaltet.
  • Ich stehe hier, weil viele der Demonstrationen für Palästina, wie wir sehen mussten, in Wirklichkeit der Deckmantel für Demonstrationen gegen Israel sind. Bei diesen aufgeheizten Kundgebungen finden Gruppen zueinander, die nur eines eint, nämlich die Hetze gegen Israel, der offene Antisemitismus, die Bereitschaft zur Gewalt, Gewalt gegen jüdische Einrichtungen und letztlich auch gegen Jüdinnen und Juden selbst.
  • Ich stehe hier, weil damit ganz eindeutig, gezielt und bewusst, provozierend und verstörend eine Grenze überschritten wurde. Die Grenze des Anstands, die Grenze der Menschlichkeit, die Grenze unseres unwiderruflichen Bekenntnis zum Existenzrecht des Staates Israel, die Grenze unserer gemeinsamen Verantwortung im Zusammenleben mit Jüdinnen und Juden.
  • Ich stehe hier, weil antisemitische Vorfälle immer eins sind, Straftatbestände und Verbrechen, die verfolgt und hart geahndet werden müssen!
  • Ich stehe heute hier, weil es jetzt in der Tat Zeit ist, ganz deutlich Flagge zu zeigen. Ich stehe heute hier, weil ich laut, unmissverständlich, einfach unüberhörbar, auch im Namen der demokratischen Parteien unseres Landtags sage:
    • die Angriffe auf jüdische Einrichtungen sind eine Schande, ein Verbrechen und schreckliche Menschenverachtung.
    • Der offene Judenhass, die unerträgliche Hetze und die antisemitischen Sprechchöre haben nichts, aber auch gar nichts mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung zu tun.
    • Wer Israel vernichten will, meint uns alle. Und dazu sagen wir entschieden Nein!
  • Ich stehe heute aber auch hier, weil Bundespräsident Steinmeier uns allen aus dem Herzen gesprochen hat, als er sagte „Nichts, aber auch gar nichts, was im Nahen Osten gegenwärtig stattfindet, rechtfertigt Angriffe auf Juden hier in Deutschland“.
  • Und warum steht ihr heute hier? Warum stehen wir alle heute hier?

Wir stehen hier, mit Abstand, aber um so fester Seite an Seite,

  • Weil es uns nicht länger zu Hause halten darf, wenn das Existenzrecht Israels so massiv bedroht wird.
  • Weil es keine Ausrede geben kann, nicht an der Seite der Jüdinnen und Juden zu stehen.
  • Weil Kritik an der konkreten Politik Israels legitim und möglich ist, Hass und Angriffe auf Jüdinnen und Juden aber nicht.
  • Und weil wir doch alle wissen, wenn Fahnen brennen, wenn Steine fliegen, wenn hetzende, verachtende Parolen anfeuern sollen, dann kann auch mehr geschehen.
  • Noch einmal will ich Bundespräsidenten Steinmeier zitieren, der gesagt hat

    „Wir müssen unsere Sinne wachhalten, Vorurteile und Verschwörungstheorien erkennen und ihnen mit Vernunft, Leidenschaft und Entschiedenheit entgegentreten. Ein jeder von uns ist aufgerufen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalt zu schützen. Nicht in Zukunft, sondern hier und heute, in dem Land, in dem wir gemeinsam leben.“

  • Deshalb stehen wir alle heute hier. Und wenn es notwendig ist, auch morgen und übermorgen und überübermorgen. So lange, bis jede Jüdin und jeder Jude sich sicher und in unserer Mitte zu Hause fühlt. Bis jede Jüdin und jeder Jude auch wirklich sicher ist.
  • Ich stehe hier, weil der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer gesagt hat, „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht dafür schon!“
  • Und es geschieht gerade viel in unserem Land. Viel zu viel! Oder, noch immer zu wenig!
  • Deshalb stehen wir heute hier, und zugleich an vielen anderen Stellen, auf vielen anderen Plätzen. Du und Du und ich!

 

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