Bildarchiv des Landtags Nordrhein-Westfalen

Teil 3 meines persönlichen Rückblicks auf 27 Jahre Landtag: Erste und letzte Rede

(Am Ende dieses Beitrags können Sie meine Reden als verlinkte PDF-Dateien nochmal nachlesen)

Auch wenn ich heute nicht über die Kunst im Landtag schreiben möchte, will ich euch mein absolutes Lieblingskunstwerk – den Phönix von Ewald Mataré ans Herzlegen. Und vor allem wegen der Inschrift auf dem Sockel. Sie lautet „Ums Wort und Widerwort und wieder Wort. Das Schweigen und das Auferstehen.“ Diese Inschrift stammt von Werner Witthaus, ein Journalist und langjähriger Freund des Künstlers. Er betonte damit das Nachkriegsgefühl und unterstreicht die wiedergewonnene Freiheit in der jungen Demokratie.

Mir bedeutet diese Inschrift viel, weil sie sehr anschaulich beschreibt, wie ein Parlament arbeitet und wie die parlamentarische Demokratie funktioniert. Der Phönix steht übrigens ganz prominent bei uns in der Bürgerhalle des Landtags. Auch das ist ein Statement und ein Bekenntnis, gerade auch in diesen Zeiten, in denen Fakenews und Falschmeldungen bewusst eingesetzt und für eigene, nicht demokratische Zwecke instrumentalisiert werden. Mir gefällt die Inschrift auch deshalb so gut, weil sie mich an die schärfste „Waffe“ der Abgeordneten, die Rede im Parlament, im Ausschuss, in der Öffentlichkeit erinnert.

An meine erste Rede im Landtag erinnere ich mich noch richtig, richtig gut. Im Unterschied zu heute durfte und konnte ich mir sogar etwas länger Zeit dafür lassen, um auch wirklich zu „meinem Thema“ reden zu können. Erst im Jahr 1996 war es so weit, dass ich – nach bereits vielen Redebeiträgen in meinen drei Ausschüssen – auch die plenare Feuertaufe absolviert habe.

In meiner ersten Rede ging es um die Neugestaltung der Beruflichen Bildung, um die berufliche Sekundarstufe II, heute bestens bekannt als Berufskolleg. Ich durfte das Arbeitsergebnis von einem Jahr intensiver Erarbeitung meiner Fraktion darstellen und für die Zustimmung zum SPD-Antrag „Attraktivität der Berufsausbildung und des dualen Systems steigern – berufliche Sekundarstufe II neu strukturieren“ werben.

Natürlich war ich sehr aufgeregt und hatte das, was wir im Ruhrgebiet „Bammel“ nennen. Nicht, weil ich wirklich Angst gehabt hätte, vor einer so großen Gruppe zu reden. Nein, es waren vielmehr Respekt vor und das Verantwortungsbewusstsein für die erste Rede im Plenarsaal.Denn immerhin ist das Redepult der zentrale Ort Plenarsaal, und der Plenarsaal die Herzkammer der Parlamentarischen Demokratie. Natürlich war ich mir auch der besonderen Verantwortung für den Inhalt und die Zielsetzung unseres Antrags bewusst.

Diese und alle weiteren wichtigen und großen Reden als Abgeordnete habe ich immer selbst geschrieben. Und das ist auch mein Tipp an alle, die wichtige Reden zu halten haben. Schreibt sie wann immer es geht selbst. Denn dann kann man am besten überzeugen und authentisch auftreten.

In meiner Zeit als Landtagspräsidentin waren es dann aber so viele Reden, Grußworte, Ausstellungseröffnungen, verschiedenste Begegnungen mit Redebeiträgen, dass ich gerne auf die Vorbereitungen meines Teams zurückgegriffen habe. Aber niemals hat es eine Rede gegeben, an der ich nicht selbst noch gearbeitet hätte. Niemals habe ich eine Rede einfach „nur“ vorgelesen.

Meine letzte Rede im Plenarsaal, im April dieses Jahres am vorletzten Plenartag, wird mir ebenfalls in langer, vielleicht sogar immerwährender Erinnerung bleiben. Genau wie bei der ersten Rede durfte ich mir auch diesmal das Thema wünschen und aussuchen. Wozu ich das letzte Mal als Abgeordnete reden wollte, darüber habe ich lange nachgedacht und mich dann für die deutsch-türkischen Städtepartnerschaften und „meine“ Parlamentariergruppe NRW-Türkei entschieden. Zum einen, weil ich moderne und weiterentwickelte Städtepartnerschaften als „urban diplomacy, wie sie immer häufiger genannt werden, für unverzichtbar halte. Das gilt ganz besonders für die schwierigen offiziellen Beziehungen zur Türkei. Zum anderen, weil das Thema Städtepartnerschaften die Arbeit der Parlamentariergruppe die ganze letzte Legislaturperiode bestimmt hat, also unser roter Faden war. Und nicht zuletzt wollte ich ein wenig dazu beitragen, für die Fortführung der Parlamentariergruppe NRW-Türkei in der kommenden Wahlperiode zu werben. Ich glaube, dass mir das zumindest spd-intern auch gelungen ist.

Wie alle Abgeordneten, die ihre letzte Rede gehalten haben, habe auch ich die Redezeit für einen persönlichen Abschiedsteil überzogen. Wer meine Rede damals gehört oder bereits nachgelesen hat, weiß, dass es mir ein Herzensanliegen war, den Stellenwert und die Bedeutung der parlamentarischen Demokratie – insbesondere als Garantin für Freiheit und Frieden zu betonen. Mein zentraler Satz lautete „Demokratie, Freiheit und Frieden dürfen niemals – an keinem Ort und zu keinem Zeitpunkt – durch Antidemokraten bedroht, verhöhnt oder gar zerstört werden, ganz unabhängig davon, in welchem politischen Schafsfell der Wolf auch kommt.“

Und warum sich dann im weiteren Verlauf meiner letzten Rede diejenigen angesprochen fühlten, die gemeint waren, lest ihr am besten selbst noch einmal nach.

Hier können Sie meine erste und meine letzte Rede im Landtag NRW bei Interesse in Gänze nachlesen:

 

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